Als ich anfing für meinen Masterarbeit zum Thema Supervision bei Lehrkräften zu recherchieren, habe ich mich in meinem nicht Lehrerumfeld nach Supervisionserfahrungen umgehört.
Gerade in anderen sozialen Berufen wie z.B. in der Pflege oder der sozialen Arbeit, wurde mir von einer Vielzahl von Supervisionserfahrungen, vor allem auch schon während der Ausbildung, erzählt.
Was ich sehr interessant fand, denn in meiner bisherigen Berufslaufbahn, hatte ich nur einmal von einer Kollegin gehört, dass sie an Supervision teilnimmt.
Ich persönlich hatte das Glück sogar an zwei Schulen zu unterrichten, an denen zumindest temporäre Supervisionsrunden für alle Lehrkräfte angeboten wurden.

Aber aufgrund der Reaktionen von anderen Lehrerinnen und Lehrer, die nicht an diesen Schulen waren, weiß ich, dass dies eher eine Seltenheit an deutschen Schulen ist (Warum Lehrkräfte oft zögern, sich auf Supervision einzulassen.). Was ich damals schon als schade empfand und vor allem nach dem Abschluss meiner Masterarbeit als erschreckend sehe.
Da es meiner Meinung nach in so einem hochgradig emotionalen Beruf, wie dem Lehrberuf extrem wichtig ist, dass regelmäßig über Belastungen, Probleme und Konflikte gesprochen werden kann, damit sich diese nicht langfristig auf die Psyche und allgemeine Gesundheit auswirken.
Vor allem da die mentale Belastung durch schwierige Schüler und Schülerinnen, die zum Teil traumatisiert sind, auch an den Regelschulen zunehmend steigt, was für alle Beteiligten eine professionelle Begleitung erfordert (Coaching für Lehrkräfte). Auch die steigende Arbeitsbelastung und das Übertragen von weiteren zusätzlichen Aufgaben kann ebenfalls langfristig zu einer gesundheitlichen Belastung führen.
Und wenn ich mir die aktuellen Bildungsdebatten anschaue, wird an den krank machenden und belastenden Rahmenbedingungen leider erstmal nichts geändert. Deswegen ist es um so wichtiger, dass sich Lehrer und Lehrerinnen selber helfen und schützen. Dies kann mit regelmäßigen Supervisonsrunden gelingen.
Aber was ist überhaupt Supervision:
Supervision ist ein professioneller Beratungs- und Reflexionsprozess, der dazu dient, Einzelpersonen, Teams oder Organisationen in verschiedenen Arbeitskontexten zu unterstützen und ihre Arbeitspraxis zu verbessern. Der Supervisor oder die Supervisorin fungiert als neutraler Begleiter und stellt gezielte Fragen sowie Methoden zur Reflexion bereit.
Die Supervision umfasst Themen wie:
- Arbeitsbeziehungen
- Kommunikation,
- Konflikte
- Rollenklärung
- persönliches Wachstum
Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.
Albert Einstein
Durch den Reflexionsprozess können die Teilnehmenden ihre berufliche Praxis reflektieren, neue Perspektiven gewinnen und an ihrem persönlichen Wachstum arbeiten.
Supervision kann in Bereichen wie Bildung, Gesundheitswesen, Sozialarbeit, Management und vielen anderen angewendet werden. Sie trägt zur Verbesserung der Effektivität, Effizienz und Zufriedenheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei und steigert somit die Qualität der Arbeit insgesamt.
Wie kann Supervision Lehrkräften helfen?
Supervision kann Lehrern in vielerlei Hinsicht helfen:
- Reflexion und persönliche Entwicklung: Durch Supervision können Lehrer und Lehrerinnen ihre berufliche Praxis reflektieren und ihr persönliches Wachstum fördern. Sie können ihre Stärken und Schwächen erkennen, neue Perspektiven gewinnen und an ihrer eigenen Weiterentwicklung arbeiten.
- Unterstützung bei Herausforderungen: Lehrkräfte stehen oft vor Herausforderungen wie Konflikten mit Schülern oder Eltern, Überlastung oder schwierigen Arbeitsbeziehungen. Supervision bietet ihnen einen sicheren Raum, um diese Herausforderungen zu besprechen, Lösungsansätze zu entwickeln und Unterstützung zu erhalten.
- Verbesserung der Kommunikation und Zusammenarbeit: Supervision kann Lehrkräften helfen, ihre Kommunikationsfähigkeiten zu verbessern und Konflikte konstruktiv zu lösen. Durch die Reflexion über Arbeitsbeziehungen und Rollenklärung können sie effektiver mit Kollegen, Schülern und Eltern zusammenarbeiten.
- Burnout-Prävention: Lehrer sind einem hohen Maß an beruflichem Stress ausgesetzt, der zu Burnout führen kann. Supervision kann ihnen helfen, Stresssymptome zu erkennen, Strategien zur Stressbewältigung zu entwickeln und eine gesunde Work-Life-Balance zu erreichen.
Durch Supervision können Lehrer nicht nur ihre Professionalität stärken und ihre Arbeitszufriedenheit steigern, sondern auch langfristig in diesem Beruf gesund bleiben. Lesen Sie auch hier mehr dazu: Supervision ist mehr als Problemlösung.
Wie sieht eine Supervionsrunde aus?
Eine Supervisionsrunde besteht normalerweise aus mehreren Schritten:
- Begrüßung und Einstieg: Zu Beginn der Supervisionssitzung begrüßen sich alle Teilnehmenden und es wird ein angenehmes und vertrauensvolles Arbeitsklima geschaffen. Der Supervisor oder die Supervisorin stellt den Rahmen und die Regeln für die Sitzung vor.
- Themenklärung: Die Supervisionsteilnehmenden bringen ihre individuellen Themen, Fragen oder Anliegen ein. Diese können sich auf Arbeitsbeziehungen, Kommunikation, Konflikte, Rollenklärung oder persönliches Wachstum beziehen. Der Supervisor oder die Supervisorin hilft den Teilnehmenden dabei, ihre Themen zu klären und den Fokus der Supervisionssitzung festzulegen.
- Reflexion und Analyse: In diesem Schritt werden die individuellen Themen und Anliegen der Teilnehmenden ausführlich besprochen. Der Supervisor oder die Supervisorin stellt gezielte Fragen und regt zur Reflexion an. Dabei werden verschiedene Perspektiven eingenommen und mögliche Lösungsansätze oder Handlungsoptionen erarbeitet.
- Feedback und Unterstützung: Der Supervisor oder die Supervisorin gibt den Teilnehmenden Feedback zu ihren Beobachtungen und Erkenntnissen. Außerdem bietet die Supervision Unterstützung, um neue Perspektiven zu gewinnen, Ressourcen zu identifizieren und individuelle Lösungswege zu entwickeln.
- Abschluss und Ausblick: Am Ende der Supervisionssitzung wird ein Ausblick gegeben und mögliche nächste Schritte besprochen. Es können auch Hausaufgaben oder konkrete Maßnahmen für die Zeit zwischen den Supervisionssitzungen vereinbart werden. Die Teilnehmenden haben die Möglichkeit, ihre Erfahrungen und Erkenntnisse aus der Sitzung zu reflektieren und gegebenenfalls weitere Fragen zu stellen.
Es ist wichtig anzumerken, dass der genaue Ablauf einer Supervisionsrunde je nach Kontext, Teilnehmenden und individuellen Bedürfnissen variieren kann. Die Supervision dient jedoch immer dazu, den Teilnehmenden einen Raum für Reflexion, Austausch und persönliches Wachstum zu bieten.
Wann ist eine Supervision für Lehrkräfte sinnvoll?
Eine Supervision ist sinnvoll in folgenden Situationen:
- Bei beruflichen Herausforderungen und Schwierigkeiten, die das Arbeitsklima oder die Arbeitsbeziehungen beeinflussen egal ob durch Schüler, Kollegen oder Eltern
- Bei Konflikten mit Kollegen, der Schulleitung, Schülern oder anderen Beteiligten
- Bei Überlastung, Stress oder Burnout-Symptomen
- Bei Fragen zur eigenen Rolle, Aufgaben oder beruflichen Weiterentwicklung
- Bei Unsicherheit in der Anwendung von Arbeitsmethoden oder -techniken
- Bei der Planung und Umsetzung von Veränderungsprozessen
- Bei der Reflexion über die eigene Arbeitspraxis und persönliche Entwicklung
Supervision bietet einen geschützten Raum, um diese Themen zu besprechen, neue Perspektiven zu gewinnen und konstruktive Lösungsansätze zu entwickeln. Sie unterstützt dabei, die eigene Professionalität zu stärken und die Arbeitszufriedenheit zu steigern und kann das Burnoutrisiko minimieren.
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Wer meint, in einer Situation gäbe es nur zwei Möglichkeiten, der hat mindestens drei übersehen.
Matthias Varga v. Kibed

















