Das Burnout-Syndrom ist für viele Lehrkräfte leider keine unbekannte Diagnose.
Tatsächlich zählen Lehrkräfte zu den Berufsgruppen, die besonders häufig unter diesem Zustand leiden.
Verschiedene Studie im Auftrag der DAK-Gesundheit in den letzen Jahren ergaben, dass durchschnittlich jede vierte Lehrkraft in Deutschland regelmäßig emotional erschöpft ist und Burnout-Symptomen aufweist.
Eine weitere Studie der Barmer Krankenkasse aus dem Jahr 2020 ergab, dass fast ein Viertel der Fehltage von Lehrerinnen und Lehrern auf psychischen Erkrankungen zurückzuführen sind.

Ebenfalls zeigt eine aktuellen Studie der Robert Bosch Stiftung, dass Lehrkräfte ihr Kollegium (92 %) und sich selbst (84%) als derzeit stark oder sehr stark belastet erleben. Für über drei Viertel der Befragten hat die Mehrarbeit, die sie leisten müssen, die Folge, dass eine notwendig Erholung in der Freizeit kaum noch möglich ist. Was wiederum Nährboden eines Burnouts ist.
Diese Studien zeigen, was auch ich leider in meinem eigenen Umfeld in den letzen Jahren beobachten musste. Burnout ist ein immer größer werdendes Problem im Lehrberuf.
Aber warum leiden so viel Lehrkräfte unter Burnout?
Schließlich wurde und wird immer noch für diesen Beruf mit der hohen Flexibilität, der kreativen Freiheit und dem hohen Stellenwert der Arbeit für die Gesellschaft geworben.
Was also führt dazu, dass dieser Traumberuf zum gesundheitlichen Albtraum werden kann?
Die Gründe hierfür sind vielschichtig und reichen von einer hohen Arbeitsbelastung bis hin zu einem Mangel an Anerkennung.
Zu hohes und undefiniertes Arbeitspensum
Wenn Sie Lehrer oder Lehrerin sind, wissen Sie bestimmt, wie stressig und anspruchsvoll dieser Beruf sein kann.
Sie jonglieren täglich zwischen verschiedenen Aufgabenfeldern hin und her. Nicht nur müssen Sie unterrichten, erziehen, Aufgaben und Prüfungen korrigieren, Elterngespräche führen, Konflikte lösen, an Konferenzen teilnehmen, administrative Aufgaben erledigen sowie all dies Vor- und Nachbereiten.
Weiterhin ist Ihre Arbeitszeit außerhalb des Klassenzimmers nicht definiert. Wie lang müssen Sie für die Vorbereitung des Unterrichts brauchen? Sollen Sie 3 oder 10 Arbeitsblätter für die Stunde konzipieren? Schlussendlich gibt es immer die Möglichkeit mehr vorzubereiten, mehr zu planen, mehr zu tun. Dementsprechend kann es schwer sein, ein Ende der Arbeitszeit zu finden.
Ebenfalls stehen Sie und Ihre Arbeit immer im Fokus unterschiedlicher Interessengruppen – sei es der Elternschaft, des Kollegiums, der Schulleitung oder der Gesellschaft. All dies kann auf Dauer zu einer hohen physischen und psychischen Belastung führen.
Zusätzlich kommt hinzu, dass Lehrerinnen und Lehrer in der Regel keinen Einfluss auf ihre Arbeitszeit und ihre Belastung haben, sowie im Berufsalltag kaum Zeit für notwendige Erholungs- und Entspannungsphasen ist. (Lesen Sie hier, wie Sie Pausen im Schulalltag effektiv nutzen.)
Gehe in deiner Arbeit auf, nicht unter.
Jacques Tati (frz. Schauspieler)
Hilflosigkeit und mangelnde Unterstützung

Ein weiterer Faktor der ein Burnout bei Lehrkräften begünstigt, ist die immer noch weiterverbreitete Arbeitsweise des „Einzelkämpfenden“ und dem damit verbundenen Mangel an Unterstützung.
Lehrkräfte arbeiten typischerweise in isolierten Umgebungen. Sie haben oft wenig Unterstützung von Ihren Kolleginnen und Kollegen oder Ihren Vorgesetzten. Wenn Schwierigkeiten auftreten z.B. bei herausfordernden Schüler*innen, versuchen sie das oft alleine zu klären. Dem einen gelingt dies, dem anderen überkommt dabei ein Gefühl von Hilflosigkeit und des Alleingelassenseins.
Weiterhin kommt erschwerend hinzu, dass es leider nicht zur Regel gehört, dass offen über schwierige Schüler*innen oder belastende Situationen gesprochen wird. Im schlimmsten Fall kommt den Mutigen, die dies ansprechen, eine Welle von Ignoranz und Arroganz entgegen…„Ich weiß nicht wovon du redest, bei mir kommt das nie vor“!
Die mangelnde Unterstützung von Kolleg*innen und der Schulleitung im Zusammenhang mit der Angst Schwäche und Fehler zuzugeben, zählt zu einem weiteren großen Faktor, der ein Burnout unter Lehrkräften begünstigt.
Sinnlosigkeit und mangelnde Wertschätzung
Ein weiterer Faktor, der zum Burnout beitragen kann, ist das Gefühl von Sinnlosigkeit.
Lehrkräfte haben oft keine Kontrolle über ihre Lehrpläne oder Lehrmethoden, da dies von der Schulleitung oder von politischen Entscheidungsträgern vorgegeben wird. Wenn Lehrkräfte jedoch merken, dass ihre Talente und Fähigkeiten nicht eingesetzt werden oder wenn sie das Gefühl haben, dass sie nicht in der Lage sind, ihre Schülerinnen und Schüler zu inspirieren, kann dies zu Frustration und Demoralisation führen. Eine fehlende Anerkennung und Wertschätzung der geleistete Arbeit kommt dabei erschwerend hinzu.
Lob, Anerkennung und Wertschätzung für die geleistete Arbeit geht im Schulalltag leider oft unter.
Was jedoch kontraproduktiv ist, denn Studien zeigen, dass eine wertschätzende Arbeitsatmosphäre Belastungsfaktoren abpuffern können und sie dadurch als weniger belastend empfunden werden, was sich dadurch positiv auf die psychisch und physische Gesundheit auswirkt. (So kann Wertschätzung im Schulalltag gelingen)
Die Corona-Jahre
Erschwerend kommt bei allem dem noch die Aufarbeitung der letzten drei Jahre hinzu.
So berichten Lehrkräfte von dem Anstieg negativer Verhaltensweisen ihrer Schüler*innen, sei es bei der Konzentrationsfähigkeit, der Motivation, aber auch bei ihrem Verhalten. Unterstützungsangebote von Schulsozialarbeitern und Psychologen sind allerdings nicht in dem Ausmaß vorhaben, wie es notwendig wäre, um dies alles richtig aufzuarbeiten. Dementsprechend versuchen auch hier die Lehrkräfte, dies zusätzlich auszugleichen.
Des weiteren müssen sie versuchen, die vielen geflüchteten und zum Teil traumatisierten Kinder in ihren Schulalltag zu integrieren. Was jedoch die meisten Lehrkräfte an ihre fachliche Grenze bringen mag. Denn Traumatherapie gehört in der Regel nicht zu den Pflichtveranstaltungen im Lehramtsstudium.
Ungleichgewicht der Work-Life Balance
Aber auch persönliche Faktoren können zum Burnout beitragen.
Schwierigkeiten eine klare Grenze zwischen Privat- und Berufsleben zu ziehen ist die eine Sache. Ein weiterer Punkt ist das Gefühl für Eltern und Schulleitungen dauernd erreichbar zu sein. (Erfahren Sie hier, wie Sie bewusst Grenzen setzen)
Weiterhin nehmen viele Lehrkräfte ihre Probleme mit Kolleg*innen und Schüler*inne mit nach Hause. So dass auch in den eigentlichen Erholungspausen die Arbeit immer präsent ist. Identifiziert man sich zu sehr mit seiner Arbeit und opfert sich für diese vollkommen auf kann auch dies zu einem Burnout führen. Vor allem, wenn man noch nicht einmal Anerkennung und Wertschätzung für die geleistete Arbeit erhält.
Darum leiden so viele Lehrkräfte an Burnout:
Zusammenfassend gibt es viele Gründe dafür, warum Lehrkräfte öfter unter Burnout leiden als andere Berufsgruppen.
Oft ist es eine Kombination aus Arbeitsbelastung, mangelnder Unterstützung, fehlender Anerkennung, schwierigem Schüler*innenverhalten und persönlichen Faktoren. Es ist wichtig, dass jede/r Lehrer*in auf sich selbst achtet und Maßnahmen ergreift, um Burnout zu vermeiden („Wie sich Lehrkräfte vor Burnout schützen können“). Unter anderem kann professionelle Beratung, Coaching und Supervision dazu beitragen, dass nachhaltig der Umgang mit Belastungssituationen, Stress und Überlastung verbessert werden kann.
Meiner Meinung nach ist es in einem so hochgradig emotionalen Beruf wichtig, dass regelmäßig über Probleme, Belastungen und Spannungen gesprochen wird. Damit man langfristig gesund, gut und gerne in diesem Beruf arbeiten kann.
Gesundheit ist nicht alles – aber ohne Gesundheit ist alles nichts!
Arthur Schopenhauer

















