Tipps und Tricks, damit der Elternabend nicht zur Belastung wird

Sylvia Meran

Coaching & Supervision für Lehrkräfte, Schulleitungen und päd. Fachkräfte

Ich schreibe hier in meinen Blog über die Themen Lehrergesundheit, Burnout, Supervision und Coaching. Ich teile mit Ihnen meine Tipps und Erfahrungen als Lehrerin und Coach und zeige Ihnen wie Sie langfristig in diesem Beruf gesund bleiben können.

Kerstin: „Erster Elternabend geschafft! :)“

Simone: „Voll gut! Das kostete immer so viel Kraft!“

So klang gerade eine Unterhaltung in einem meiner Gruppenchats. 

Und recht haben die beiden Kolleginnen, auch wenn ich schon zahlreiche Elternabende ausgerichtet oder daran teilgenommen habe. Es war oft ein Kraftakt, an dem man danach gerne einen Haken gemacht hat. Aber woran liegt das?

Elternabende sind eher unfreiwillige, freiwillige Veranstaltungen

Ich würde sagen, dass es in erster Linie schon am Konstrukt an sich liegt.

Man sitzt in einem Raum mit Menschen, die man gar nicht oder nicht gut kennt. Sie sitzen zu einem Zeitpunkt zusammen, der in der Regel den wenigsten passt. Es besteht oft das Gefühl eines „ich muss dahin“ bzw. „ich muss das jetzt machen“ als „ich möchte dabei sein“ bzw. „ich möchte die Eltern informieren, weil es mir wichtig ist“. 

Es findet selten in einem angenehmen Rahmen statt.

Die Eltern sitzen auf den viel zu kleinen Stühlen und die Lehrkraft steht oder sitzt auf einem komfortableren Stuhl. Das kann nicht nur unter Eltern Erinnerungen an die eigene Schulzeit positiv als auch negativ hervorrufen, als auch für die Lehrkraft, den unterrichtenden und belehrenden Charakter beibehalten.

Andererseits hat mir diese Position auch etwas Sicherheit gegeben. Gerade wenn ich schwierige Situationen, Probleme oder neue Regeln besprochen habe. Weil es für mich die gewohnte Arbeitshaltung war und ich für mich so besser auf Widerspruch von Eltern reagieren konnte. Denn es ist mein Klassenzimmer, meine Regeln und ich bin der Chef. Aber wie sich die Eltern fühlen oder dass ich vielleicht durch das Setting eine eher negative Stimmung ausgelöst habe, kam mir erst nachdem ich auf der anderen Seite saß. 

Wie kann also ein Elternabend aussehen, bei dem sich jeder wohlfühlt, bei dem man als Lehrkraft danach nicht vollkommen erschöpft bzw. Tage zuvor angespannt ist?

Treffen Sie sich vorab mit den Elternvertretern

Wie wäre es, wenn Sie sich 1 Woche zuvor mit den Elternvertretern zusammensetzen? Das kann auch online passieren. Gehen Sie mit ihnen die Planung für den Elternabend durch. Besprechen Sie vielleicht heikle Punkte, erklären Sie Ihre Gründe. 

So üben Sie erstens im kleinen Rahmen mit eher vertrauten Eltern Ihre Themen. Zweitens kennen die Eltern eher die Grundstimmung unter den Eltern. So können Sie sich auch gezielter auf Probleme, die im Raum stehen, vorbereiten und diese vielleicht aktiv ansprechen. 

Ebenfalls hilft es zu wissen, dass die Elternvertreter Ihre Ideen und Umsetzungen verstanden und für stimmig empfinden. Damit haben Sie gegebenenfalls auch 2 Personen im Raum, die Ihnen den Rücken stärken können

Keine Hierarchische Sitzkonstellation

Überlegen Sie, ob eine andere Sitzkonstellation möglich wäre. Damit Sie nicht erhaben wirken, sondern auf Augenhöhe der Eltern sind. Vielleicht auch eher in einem Kreis als frontal ausgerichtet. 

Elternabend mit positiven und motivierenden Themen beginnen

Beginnen Sie den Elternabend mit positiven Punkten: sei es zur Leistung, der Arbeit oder Motivation der Kinder. Eine nette Geschichte aus dem Alltag kann die Grundstimmung heben. 

Eine lösungsorientierte Kommunikation bei heiklen Themen 

Versuchen Sie auch im weiteren Verlauf, das Positive im Vordergrund zu halten. Überlegen Sie genau wie sie heikle Themen ansprechen. Eltern lieben Ihre Kinder und geraten in den Verteidigungsmodus, wenn Ihre Kinder kritisiert werden ob direkt oder indirekt. Viele steigen dann in den Angriffs- oder Verteidigungsmodus um, was sehr schwierig für alle Beteiligten und die allgemeine Stimmung sein kann.

Dies bedeutet nicht, dass Sie nicht kritisch über die fehlende Motivation, Arbeitshaltung, Hausaufgaben, Pünktlichkeit etc. reden dürfen. Aber versuchen Sie es nicht mit Belehrung und Negativbotschaften.

Sehen Sie es selber als nächstes Ziel, an dem gearbeitet wird. Signalisieren Sie dies auch den Eltern. Wir haben ein paar Themen an denen wir noch arbeiten, bei denen wir noch besser werden können, damit wir alle besser lernen und arbeiten können.

Erklären Sie, warum es wichtig ist, dass die Kinder pünktlich sind und zwar so, dass es sich nicht um eine Regel handelt, sondern dass es um die fehlende Lernzeit des eigenen Kindes geht.

Diese lösungsorientierte Kommunikation erfordert zwar erstmal Übung, bis man ein Gespür dafür bekommt. Aber spüren die Eltern bei all Ihren Regeln, Zielen und Konsequenzen, dass Ihnen dabei nicht Ihre Macht wichtig ist, sondern der Lernerfolg, die positive Entwicklung ihres Kindes, werden die Eltern auch anders bei Problemen und Konflikten auf Sie zugehen. Was langfristig für alle Beteiligten ein offenes und wertschätzendes Miteinander fördern wird.

Von Anfang an einen festen Zeitplan festlegen

Legen Sie von Anfang an einen Zeitplan für die einzelnen Themen fest. Teilen Sie ihn am besten schon in der Einladung mit und vermerken Sie auch dort ein Ende. Hilfreich ist hier sicherlich auch ein Vermerk, dass Themen, die nur einzelne oder ein Kind betreffen, nicht in diesem Rahmen, sondern in einer separaten Sprechstunde besprochen werden sollen. Dies ist hilfreich für alle Beteiligten. Jeder kann so diesen Abend besser eintakten und weiß, dass er nicht durch Einzelthemen in die Länge gezogen wird. 

Auch kann es hilfreich sein, Spannungen zwischen Eltern aufgrund von Entscheidungen des Kindes betreffend vorab zu klären. So können Sie sich als Lehrkraft aber auch als Eltern an dem Abend voll auf den Informationsaustausch konzentrieren.

Online statt hybrid

Tatsächlich bin ich bei diesen rein informativen Elternabenden immer noch ein Fan von online geführten Elternabenden. Erstens, weil es meiner Meinung nach die effizienteste Methode ist, um eine größere Gruppe über rein informative Themen zu informieren. Denn Sie als Lehrkraft haben nicht viel Vorlauf, in Bezug auf die Vorbereitung von Raum und dem gegebenenfalls Besorgen von Snacks etc.. Sie haben keinen zusätzlichen Arbeitsweg für diesen Tag oder kommen so zu etwas Ruhe zuhause, bevor der Elternabend losgeht. 

Auch für die Eltern kann dies eine Entlastung sein, da Sie sich ebenfalls den Anreiseweg sparen, keinen Babysitter besorgen müssen und dies in der Regel besser mit Ihrer Arbeitszeit koordinieren können, denn zur Not schaltet man sich noch aus seinem Büro dazu. Auch die Atmosphäre ist meiner Meinung nach eine andere, da man nicht auf den winzigen Stühlen, in einer oft großen leeren Schule sitzt, sondern in einem Umfeld, in dem man sich wohlfühlt. 

Man ist nicht abgehetzt aus dem Auto gesprungen und konnte im besten Fall sogar eine Kleinigkeit essen, was immer ein Vorteil für die Laune und Aufmerksamkeit von Zuhörern ist. Auch kommt es nach meiner Erfahrung dadurch zu weniger Unruhe, Störungen und Unterbrechungen, da z.B. keine Seitengespräche entstehen können. 

Der reine Informationsaustausch steht so im Vordergrund. 

Sie als Lehrkraft, bekommen dadurch auch einen anderen Charakter. Sie sind nicht die Lehrkraft, die vor den Eltern steht und „unterrichtet“ und sie eventuell auch noch ermahnen muss, weil sie mit dem Nachbern reden, sondern sie tragen etwas vor. Präsentieren Ihre Ziele und Ihre Standards. Nichts anderes ist vielen aus Ihrer Elternschaft aus dem Arbeitsumfeld bekannt. Dementsprechend verhalten sich die Eltern nach meiner Erfahrung auch anders, als wenn sie im Klassenzimmer sitzen. 

Ein weiterer Vorteil ist, dass Sie nach dem Elternabend nicht noch mit netten aber oft zeitintensiven Small Talk Gesprächen aufgehalten werden, die Ihren Feierabend noch weiter nach hinten schieben. 

Diese Gespräche sind zwar wichtig. Doch, um ein Gespür für die Eltern zu bekommen und eventuell auch so Themen zu erfahren, die die Familie gerade beschäftigen, kann man diese Gespräche beim Abholen, bei Feierlichkeiten in der Schule oder bei einem Elternkaffee nachholen. In diesen Situationen spricht es sich auch leichter, da es sich in der Regel um eine schöne Veranstaltung handelt, an denen die Eltern teilnehmen, weil sie ihre Kinder sehen wollen und nicht, weil die Lehrkraft sie „einbestellt“ hat. Auch ich als Lehrkraft fühlte mich in so einen Rahmen immer entspannter, als frontal vor den Eltern beim Elternabend. Diese Entspannung spürt Ihr Gegenüber und spiegelt das in der Regel mit seinem Verhalten wieder. 

Elternabende müssen also kein Kraftakt sein!

Mit diesen Tipps führen Sie einen Elternabend, der keine Belastung für Sie wird.

Vorbereitung mit den Elternvertretern

  • Man bekommt ein Gespür wie die Elternschaft vielleicht auf die Themen reagieren wird.
  • Man kann im kleinen Rahmen seine Ziele und Konzepte vorstellen und begründen – hat dadurch Rückendeckung beim Elternabend aus den eigenen Reihen.
  • Auch Themen, die die Eltern umtreiben, bekommt man so früher mit und kann sich darauf vorbereiten.

Einladung mit grobem Zeitplan und fixen Ende und dem Vermerk, dass Einzelthemen in einer separaten Sprechstunde besprochen werden können

  • Jeder kann sich seinen Abend besser einteilen.
  • Er wird nicht durch Einzelfälle in die Länge gezogen.

Evtl. Problemgespräche mit Eltern vor dem Elternabend führen

  • Die Grundstimmung wird so eine andere sein.
  • Man ist nicht in Habachtstellung, wenn sich das Elternteil rührt, ob jetzt evtl. ein Angriff kommt.

Beginnen Sie den Elternabend mit Erfolgen, positiven Erlebnissen, amüsanten Geschichten aus dem Alltag der Klasse

  • Dies lockert die Atmosphäre.
  • Stimmt die Elternschaft positiv, denn Sie und Ihre Kinder werden nicht kritisiert.
  • Am Elternabend Botschaften mit den Wörtern „müssen“, „sollen“ und „darf nicht“ vermeiden, stattdessen Satzbausteine wie „unsere nächsten Ziele“, „daran können wir noch arbeiten“ „Wie gelingt es uns, dass jeder besser lernen kann“ verwenden.
  • Stellen Sie bei jeder Regel, jeder Konsequenz den Lernvorteil und Nutzen des einzelnen Kindes in den Fokus – Eltern möchten nicht das ihr Kind kritisiert wird, sie wollen sehen und hören, wie ihr Kind bestmöglich lernen und arbeiten kann.

Angenehme Sitzkonstellation, die die Eltern nicht in die Schülerrolle drängt

  • Stuhlkreis
  • auf gleich hohen Stühlen sitzen
  • nicht hinterm Pult verstecken

Elternabend online durchführen

  • effiziente Methode
  • hohe Teilnehmerzahl
  • kaum Störungen durch Randgespräche etc.
  • informativer, vortragender Charakter, weg vom belehrenden im Klassenzimmer

Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten wie Elternabende gestaltet werden können, damit sie keine Belastung für einen darstellen. Sei es bei der Vorbereitung, beim Rahmen und bei der Kommunikation mit den Eltern. Für diesen Veränderungsprozess benötigt es etwas Zeit und Training aber langfristig können Sie, aber auch alle Beteiligten viel gewinnen. Fehlt Ihnen dazu der Mut oder der richtige Ansatzpunkt, können Ihnen dabei auch Supervisionsrunden oder ein professionelles Coaching helfen, denn es gibt keinen Grund, warum ein Elternabend einen auslaugen sollte!

Sylvia Meran

Coaching & Supervision 
für Lehrkräfte, Schulleitungen und päd. Fachkräfte

Ich schreibe hier in meinem Blog über die Themen Lehrergesundheit, Burnout, Supervision und Coaching. Ich teile mit Ihnen meine Tipps und Erfahrungen als Lehrerin und Coach und zeige Ihnen wie Sie langfristig in diesem Beruf gesund bleiben können.

Ich freue mich von Ihnen zu hören:

Herzlich, Ihre

Sylvia Meran

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