Was gehört eigentlich in eine Supervision?
Für Lehrerinnen und Lehrer kann dieser Raum weit mehr sein als reine Konfliktlösung. Supervision bietet die Möglichkeit, Erfolge zu reflektieren, Strategien für den Schulalltag zu entwickeln und Belastungen bewusst einzuordnen.
Lesen Sie in diesem Blogartikel, wie Supervision im Schulalltag wirken kann und warum es sich lohnt, diesen geschützten Raum regelmäßig zu nutzen.

„Ich weiß, dass man darüber in der Supervision nicht spricht, das hat man mir mal gesagt.“
Mit diesem Satz wollte eine Lehrerin ihren Beitrag zurücknehmen, noch bevor er richtig ausgesprochen war.
Ich habe ihr geantwortet: Für mich zählt vor allem eines. Beschäftigt Sie dieses Thema beruflich? Und belastet es Sie vielleicht sogar?
Wenn ja, dann hat es hier seinen Raum.
Ich kenne die Argumentation, dass es in Supervision nur um Probleme oder konkrete Fälle geht. Für mich greift das zu kurz.
Supervision ist für mich nicht ausschließlich Problemlösung, sondern auch ein Mittel zur Weiterentwicklung, beruflich und in gewisser Weise auch persönlich. Denn beides steht sehr oft im Zusammenhang. (Was ist überhaupt Supervision?)
Deshalb sind in meinen Supervisionssitzungen alle Themen willkommen. Auch oder gerade dann, wenn es kein Problem im klassischen Sinne ist.
Es kann um Konflikte gehen, um Unstimmigkeiten im Team, um Unzufriedenheit mit Arbeitsprozessen. Um Schulentwicklungsthemen, die sich im Kreis drehen und nur noch Ressourcen ziehen. Oder ganz schlicht um die Frage, wie schaffen wir es eigentlich, besser auf uns und unsere Pausen zu achten.
Es muss nicht immer der große Konflikt sein. Keine verhärteten Fronten, keine Eskalation.
Es darf auch etwas sein, das sich vom eigenen Gefühl her eher klein anfühlt und trotzdem Raum braucht.
Ich habe es schon oft erlebt, dass jemand mit den Worten beginnt:
„Es ist eigentlich nichts so Wichtiges …“
Und am Ende der Stunde war es gut, manchmal sogar sehr gut, dass genau dieses Thema Platz bekommen hat. Nicht selten verstecken sich hinter augenscheinlichen Kleinigkeiten größere, tiefere Themen.
Und genau deshalb gibt es bei mir erstmal kein Thema, das nicht in die Supervision gehört.
Supervision als offener Raum
Supervision ist für mich ein offener, freier Raum.
Ein Raum, in dem man Dinge ansprechen kann, für die im normalen Tagesablauf, im Lehrerzimmer, zwischen Tür und Angel oder in Konferenzen, oft weder Zeit noch Mut da ist.
Eine Teilnehmerin hat mir einmal rückgemeldet:
„Es hat uns richtig gutgetan, endlich die Chance zu haben, uns untereinander auszutauschen. Uns zuzuhören und einander besser zu verstehen.“
Ohne Moderation verlaufen Gespräche häufig anders. Weniger fokussiert, weniger konstruktiv, manchmal auch verletzend oder ineffektiv. Supervision bietet einen geschützten Rahmen, in dem Gespräche gezielt geführt werden können.
Und mir ist wichtig klarzustellen:
Supervision bietet Raum für Belastendes, aber immer mit dem Ziel, gemeinsam einzuordnen, zu verstehen und weiterzukommen. Es ist kein reines „Dampf ablassen“.
Supervision ist ein Mittel, um bewusst Gespräche zu führen.
Um Themen auf den Tisch zu bringen, die im offiziellen Rahmen, etwa einer Konferenz, keinen Platz hätten. Themen, die Zeit brauchen, Vertiefung und echtes Zuhören.
Das ist der äußere Rahmen, den ich anbiete.
Und es ist meine Prämisse, diese Atmosphäre an die Gruppe weiterzugeben und auf ihre Einhaltung zu achten.
Wenn sich jemand öffnet, haben Nebenhergespräche keinen Platz.
Wenn jemand spricht, wird zugehört.
Ebenso gehört es zu meiner Aufgabe, Sicherheit und Vertrauen zu vermitteln.
Das, was hier besprochen wird, bleibt in diesem Raum. Es wird nicht an Vorgesetzte oder betroffene Kolleginnen und Kollegen weitergetragen. Diese Vertraulichkeit ist die Grundlage dafür, dass echte Offenheit überhaupt möglich wird.
Supervision und die Angst vor der Stille
Ich kenne diese Situationen gut.
Man sitzt zusammen, es ist still, und alle warten darauf, dass endlich jemand ein Problem aus der Nase zieht, damit es losgehen kann.
Doch wenn gerade kein akutes, großes Thema da ist, wenn niemand etwas auf der Seele brennen hat, dann ist das per se nichts Schlechtes. Ganz im Gegenteil. Ich freue mich darüber. Wirklich!
Es zeigt, dass gerade vieles in Ordnung ist.
Der entscheidende Punkt ist für mich, dann nicht krampfhaft zu warten oder ein künstliches Problemchen aufzublasen, nur um die Stille zu füllen. Genau hier sehe ich meine Rolle als Supervisorin.
In solchen Momenten ergreife ich das Wort und arbeite mit gezielten Methoden.
Wir schauen auf Arbeitsprozesse, auf Resilienzstrategien, auf das, was gut läuft. Wir feiern Erfolge, machen Positives sichtbar und rücken Ressourcen in den Mittelpunkt.
Auch das hat seinen festen Platz in der Supervision.
Denn das Lernen von den Strategien anderer kann für viele ein wichtiger Impuls sein. Und für einen selbst ist es oft eine wertvolle Möglichkeit, die eigene Kompetenz zu festigen.
Sich der eigenen Stärken bewusst zu sein, die eigene Widerstandsfähigkeit zu kennen und Strategien parat zu haben, all das hilft in jeder neuen herausfordernden Situation. Und diese Situationen werden kommen, auch wenn am Tag der Supervision gerade keine präsent ist.
Deshalb versuche ich in meinen Supervisionen immer beides zu verbinden. Belastendes ernst nehmen und gleichzeitig Ressourcen stärken.
Manchmal reicht dafür schon ein kleiner Impuls am Ende einer Stunde, zum Beispiel die Frage:
„Welche berufliche Situation hat Sie in der letzten Woche zum Lächeln gebracht?“
Supervision ist mehr als eine Problemrunde
Supervision ist keine reine Problemrunde.
Sie ist und kann so viel mehr.
Aus diesem Grund sollte Supervision nicht nur dann stattfinden, wenn es bereits brennt. Nicht nur bei akuten Konflikten oder festgefahrenen Situationen. Sondern als konstante Begleitung im Arbeitsalltag.
Ein Raum zum Innehalten.
Zum Reflektieren.
Zum Verstehen.
Zum Wachsen.
Das ist die Supervision, die ich anbiete.
Es wird immer gleich ein wenig anders, wenn man es ausspricht.
Hermann Hesse
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