Liebe Kolleginnen und Kollegen,
„Der Juli ist schlimmer als der Dezember“, schrieb mir letzte Woche eine Freundin.
Gleichzeitig drohte der Elternbeirat an der Schule meines Sohnes damit, dass das Sommerfest nicht stattfinden könne, wenn sich nicht genügend Helfer finden.

Am Nebentisch in einem Restaurant regte sich eine Mutter über die vielen Nachrichten eines anderen Elternbeirats zur Planung des Sommerfestes auf.
Und in meiner Supervision erzählte mir eine Lehrkraft, dass sie den ultimativen Platz für ihren Aktionstisch gefunden habe … dort, wo sie niemand findet und sie endlich Ruhe vor Schülern und Eltern hat.
Mit Kindergarten, Schule und Beruf häufen sich auch bei mir die Termine im Juli. Dazu kommen die vielen Bitten um Beiträge für Buffets. Und wissen Sie was? Ich habe langsam keine Lust mehr.
Mein Bedarf an Gesprächen mit immer derselben Elternkonstellation ist gedeckt. Man sieht sich gerade ohnehin ständig. Denn bei den Sportvereinen reiht sich ja auch noch ein Sommerfest an das nächste. Als dann noch eine Einladung für einen Klassenstammtisch hereinkam, dachte ich nur: „Warum?“
Wir sehen uns doch ohnehin dauernd. Und ich denke, auch die Lehrkräfte sind um jedes Zeitfenster froh, das sie einmal nicht mit Schule füllen müssen. Neben Bundesjugendspielen, Spendenläufen, Ausflügen, Projektwochen und Abschiedsfeiern ist der Kalender, zusätzlich zum Zeugnisse schreiben und dem ganz normalen Unterricht, ohnehin schon gut gefüllt.
Ich verstehe, dass die letzten Wochen des Schuljahres mit schönen Dingen gefüllt werden sollen. Und dieses Jahr sind sie ja tatsächlich auch heiß. Aber selbst für mich als Außenstehende, die ab und an einen Kuchen backen soll, fühlt sich das schon nach ziemlich viel an. Da möchte ich gar nicht wissen, wie die Stimmung und das Stresslevel an den Schulen aussieht.
Vor allem dann, wenn man so viel Energie in das Organisieren und Funktionieren stecken muss, wie unser Elternbeirat.
Und dann frage ich mich: Ist es das wirklich wert? Bringen der Stress, die Nerven und die zeitweise Wut wirklich diesen Mehrwert?
Die Mutter an meinem Nebentisch hinterfragte das ebenfalls. Brauchen die Kinder wirklich unzählige Stationen und Aktionen beim Sommerfest? Oder sind sie nicht genauso glücklich mit einem Eis und Zeit mit ihren Freunden – ganz ohne großes Rahmenprogramm?
Das größte Highlight meines Sohnes im Kindergarten war immer, mir und meinem Mann seine Bilder und Arbeiten im Ordner zu zeigen und uns seinen Alltag zu erklären.
Und ich frage mich: Reicht das vielleicht nicht schon aus? Braucht es wirklich zig einstudierte Lieder, Choreografien, aufwendige Spielstationen und ein riesiges Essensangebot?
Woher kommen eigentlich diese Erwartungshaltungen und warum scheinen sie immer weiter zu steigen? Denken beide Seiten nur voneinander, dass genau das erwartet wird? Oder ist es tatsächlich so? Und warum wagen wir nicht einmal etwas Neues?
An einer meiner Schulen gab es kein Sommerfest, sondern ein Herbstfest. Manchmal mit einem Motto aus der vorausgegangenen Projektwoche, manchmal ganz frei und offen. Es sollte ein ungezwungener Tag der Begegnung sein.
Die Eltern durften in die Klassenzimmer, die Kinder zeigten ihre Werke und wir Lehrkräfte unterhielten uns entspannt mit den Eltern. Das Essen wurde glücklicherweise von der Mensa gestellt, aber auch dafür ließen sich sicherlich andere Lösungen finden.
Der Vorteil im Herbst: Viele neue Eltern sind dankbar für einen ungezwungenen Einblick in die Schule oder dafür, die Lehrkräfte einmal in einem entspannteren Rahmen als beim Elternabend kennenzulernen.
Außerdem stehen im Herbst im privaten Alltag meist noch nicht so viele Termine an. Und auch die Lehrkräfte sind in der Regel noch nicht vollkommen erschöpft.
Vieles im Schulalltag wird über Jahre hinweg durchgeführt, ohne noch einmal hinterfragt zu werden. Wenn neue Termine und Feste hinzukommen, wird an anderer Stelle selten etwas gestrichen. Es kommt einfach immer noch etwas obendrauf, auf einen ohnehin schon überfüllten Alltag.
Ich möchte Sie mit dieser Nachricht einladen, den Schulkalender für das neue Schuljahr einmal unter die Lupe zu nehmen.
Welche Veranstaltungen tun wirklich gut und bereichern das Schulleben, ohne zusätzlichen Stress für Lehrkräfte und Eltern zu verursachen?
Welche Termine braucht es überhaupt noch? Welche werden vielleicht nur aus Pflichtgefühl durchgeführt und fühlen sich auf beiden Seiten eher nach Absitzen und Aushalten an?
Und wenn etwas Neues dazukommt: Was streichen wir dafür?
Seien Sie mutig und entrümpeln Sie den Schulkalender. Vielleicht braucht es nicht immer mehr, sondern manchmal einfach weniger.
Ich wünsche Ihnen ganz viel Kraft für den Endspurt und für die ersten unter Ihnen erholsame Sommerferien.
Herzlichst Ihre,
Sylvia Meran










