Liebe Kolleginnen und Kollegen,
Jetzt haben wir es ja bald geschafft. Noch die Feiertage, die Ferien und dann Endspurt.
Diesen Satz habe ich neulich in einer kleinen Small-Talk-Runde am Rande einer Supervision gehört. Und ganz ehrlich: Für einen Moment hat er bei mir Panik ausgelöst. Wie? Das Jahr ist schon vorbei? Ich habe noch so viele Projekte, Termine, Ideen…

Und dann habe ich den Flieder blühen sehen. Und dachte: Nein, stopp. Das Jahr ist noch nicht vorbei. Es beginnt gerade erst zu blühen, zu wärmen, Energie zu spenden.
Gleichzeitig weiß ich: Für viele Lehrkräfte fühlt sich der Mai genau so an. Man freut sich über jede kurze Woche, jeden Feiertag, jeden Tag, der uns den Sommerferien näherbringt. Denn dann ist es erst einmal wieder „geschafft“. Eine Klasse begleitet, zum Ziel geführt, verabschiedet oder vielleicht einfach durch ein intensives Jahr gekommen.
Heute möchte ich Sie einladen, dieses Wort einmal anders zu betrachten: geschafft – im positiven Sinne.
Was haben Sie bis jetzt schon alles geschafft?
Welche Erfolge, Meilensteine oder Schlüsselmomente haben Sie in diesem Schuljahr erlebt?
Nehmen Sie sich 5–10 Minuten Zeit und reflektieren Sie:
- Was ist bis jetzt alles Positives passiert?
- Welcher Moment lässt Sie rückblickend noch immer strahlen?
- Welche kleinen oder großen Erfolge haben Sie bei sich oder bei einzelnen Kindern gesehen?
Vielleicht…
- kann ein Kind heute lesen, das zu Beginn des Schuljahres nicht einmal seinen Namen schreiben konnte.
- schafft es ein Kind, die Strukturen einzuhalten, die Sie aufgebaut haben.
- traut sich ein Kind dank Ihnen mehr zu – ist mutiger, stärker, konzentrierter oder organisierter geworden.
Und wie sieht es bei Ihnen selbst aus?
- Haben Sie mehr auf sich geachtet?
- Haben Sie öfter (oder vielleicht zum ersten Mal) Nein gesagt, wo Sie früher Ja gesagt hätten?
- Haben Sie rechtzeitig Pausen eingelegt, um nicht auszubrennen?
- Haben Sie ein neues System eingeführt, auf das Sie stolz sind und das sich jetzt auszahlt?
- Oder haben Sie endlich diesen einen Schrank im Klassenzimmer aufgeräumt, in dem noch Kisten von Personen stehen, die Sie nie kennengelernt haben?
Schreiben Sie alles auf. Jeden Erfolg. Jede positive Veränderung. Alles, wofür Sie verantwortlich sind.
Ein Schuljahr kann „abgearbeitet“ werden.
Ein Schuljahr kann aber auch erarbeitet werden.
Ein kleiner Perspektivwechsel, der helfen kann, die letzten Wochen anders zu sehen: nicht nur als Endspurt, sondern als Möglichkeit, noch mehr positive Momente zu erleben, zu gestalten und bewusst wahrzunehmen.
Zum Abschluss noch zwei kleine Impulse:
1. Das 5-Minuten-Wochenritual
Setzen Sie sich nach der letzten Stunde der Woche hin und schreiben Sie mindestens drei schöne, inspirierende oder wohltuende Momente aus Ihrer Arbeitswoche auf.
Machen Sie es zu einem festen Ritual. Es hilft, den Blick nicht nur auf das Anstrengende zu richten und ist gleichzeitig ein bewusster Übergang ins Wochenende.
2. Das Erfolgsglas
Immer wenn Ihnen etwas Schönes passiert oder Sie ein Erfolgserlebnis haben – egal wie klein – schreiben Sie es auf einen kleinen, bunten Zettel und legen Sie ihn in ein Glas.
Am Ende des Schuljahres lesen Sie alle Zettel durch.
Probieren Sie es aus.
Denn evolutionsbedingt bleiben uns vor allem stressige, angsteinflößende oder belastende Situationen im Gedächtnis. Helfen Sie Ihrem Gehirn also ein wenig nach und füllen Sie es ganz bewusst mit positiven Momenten.
Sie haben schon so viel geschafft.
Und es kommt noch einiges Schönes dazu.
Herzlichst Ihre,
Sylvia Meran










