Wenn du gerade deine Lehrprobe nicht bestanden hast, tut es mir Leid das zu hören. Ich verstehe gut, wie du dich gerade fühlst. Ich war an demselben Punkt, aber ich habe es geschafft, das Ruder rumzureißen: Ich möchte mit dir hier meine Geschichte teilen und dir Mut machen! Du bist nicht alleine und vor allem bist du keine schlechte Lehrkraft!
Seit der 9. Klasse wusste ich, dass ich Lehrerin werden wollte. Der Weg dahin war die Mittlere Reife gut zu bestehen, ein gutes Gymnasium zu finden, das Abitur schaffen, das Studium machen, diverse Praktika belegen (mit guten Bewertungen), das Referendariat durchziehen (ohne Komplikationen) und zum Endspurt kam dann die Enttäuschung:

Die letzte Lehrprobe des 2. Staatsexamen hatte ich nicht bestanden
Es riss mir den Boden unter den Füßen weg. Nach so langer Zeit in der Maschinerie, die mich zu einer guten Lehrkraft ausbilden sollte, wird mir kurz vor Schluss gesagt, dass ich das nicht kann. Ich wollte alles hinschmeißen und doch stand ich pflichtbewusst am nächsten Tag wieder im Klassenzimmer und hab weitergemacht. Die Beileids- und Bestärkungsbekundungen meiner Kolleg*innen waren schön, aber sie brachten mir nicht mein Selbstvertrauen in mich und meine Arbeit zurück.
Die Tage danach waren schwer!
Bis zum Schulschluss konnte ich immer die Fassade aufrechterhalten, aber auf dem Heimweg brach dann alles wieder aus mir heraus. Ich war am Ende und ich wusste auch nicht, was ich sonst für einen Beruf ausüben wollen würde. Ich dachte tatsächlich einen kurzen Augenblick, dass es das jetzt war, dass mein Traumberuf unerreichbar geworden ist.
Ich war sehr froh, dass ich zu diesem Zeitpunkt externe Unterstützung von meinem ehemaligen Religionslehrer hatte. Der sowohl die Seite als Lehrer als auch die als Prüfer kannte und einfach gut zuhören konnte. Zusammen gingen wir alles durch und er baute mich wieder auf. Ich nahm mein Schicksal an und mobilisierte Kräfte in mir, die ich nicht kannte. Denn ich wollte weiterhin meinen Traumjob ausüben. (Lies hier noch mehr über mich).
Also begann ich zu fordern!
Ich wollte eine andere Klasse, eine andere Mentorin und ich wollte vom Seminarleiter und dem Prüfungsvorsitzenden wissen, was nicht gestimmt hat. Das war das Schwerste. Aber ich bin bis heute froh darüber, dass ich mich das getraut habe.
Auch wenn ich danach sehr wütend auf das Beurteilungssystem war. Viele Punkte meines Unterrichts waren super und gut und haben gepasst. Einzig eine Kompetenz wurde nicht erfüllt. Das hat mich beruhigt, aber auch verwirrt. Wie kann EINE fehlende Kompetenz über mein Schicksal entscheiden und dann kam ein Satz, den ich bis heute nicht vergessen habe „man hat gemerkt, dass Sie die Klasse im Griff haben und die Schüler*innen vor ihnen Respekt haben“. Das hat mich sehr gefreut, weil es keine einfache Klasse war, auch nicht für andere Kollegen*innen. Und eine junge Referendarin konnte sich dort behaupten.
Ich war stolz auf mich, aber ich denke mir bis heute, warum sowas nicht viel mehr Gewicht hat, als die perfekte Stunde in der alle Kompetenzen und Formalien nach denen man beurteilen kann erfüllt wurden. Ich frage mich auch, warum es überhaupt nach einem Studium und 1,5 jährigen Referendariat soweit noch kommen muss? Sollte die Ausbildung das Studium, der Praxisteil nicht dazu führen, dass Lehrkräfte ausgebildet werden, die gut in ihrem Job sein können? Sollte eine Fehlbesetzung für diesen Beruf nicht früher festgestellt werden, wenn es die überhaupt gibt?
Kann nicht jeder der es wirklich will, das Lehren lernen?
Ich bin davon überzeugt, dass das so ist! Wenn du gerade eine Lehrprobe nicht bestanden hast, kann es an vielen Punkten liegen. Aber lass mir dir eins sagen, es liegt nicht an deiner Person. Viel mehr ist auf dem Weg dahin sehr viel passiert, dass es dir erschwert hat über die Ziellinie zu rennen.
Reflektiere für dich folgende Fragen:
Wie waren meine Grundvoraussetzungen: Schule, Klasse, Mentor
Wie wurde ich unterstützt: Vom Seminar, von meinen Kolleg*innen, von meinem Mentor/Mentorin, von der Schulleitung
Habe ich nach jedem Unterrichtsbesuch hilfreiche Tipps zur Verbesserung meines Unterrichts bekommen?
Wie ist es mir emotional in der Prüfungsvorbereitung ergangen?
Hatte ich Angst vor der Lehrprobe, war ich gestresst und überarbeitet, war sonst noch etwas?
Wie geht es jetzt für dich weiter? Neben den rechtlichen Bestimmungen und Fristen, die man dir sicher schon gesagt hat, gibt es auch noch die mentale Komponente.
Wie fühlst du dich, wenn du an deine Klasse, an die erneute Prüfungsvorbereitung und die Rückkehr ins Lehrerzimmer denkst?
Das hat mir die Angst genommen:
Als ich in der Abschlusskonferenz zum Ende des Schuljahres saß, in dem auch die anderen Referendare verabschiedet wurden, drehte sich ein Kollege zu mir und fragte, ob ich hier sein muss? Ich sagte „Ja“. Und er erwiderte darauf, was ich selber dachte „Das ist doch Psychoterror!“. Aber im Nachhinein war ich froh, dort gewesen zu sein. So sehr es geschmerzt hat. Denn gerade so kleine Unterhaltungen mit den Kollege*innen, die unter anderem auch von gescheiterten Episoden aus ihrem Leben berichten konnten, haben mir wieder Mut gegeben. Mir etwas mein Selbstbewusstsein zurückgegeben. Und es hat mir die Angst vor dem nächsten Schuljahr genommen. Denn ich wusste ich werde zumindest von meinen Kolleg*innen nicht verurteilt.
Aber ich kann auch verstehen, dass es dir den Magen umdreht, wenn du an die Rückkehr ins Lehrerzimmer denkst. Wenn du in deinem Umfeld keinen hast mit dem du darüber reden kannst, der dich wirklich versteht, dann überlege dir, ob du dir professionelle Hilfe holen kannst z.B. ein Coaching oder Supervision.
Manchmal hilft es auch sich einfach mit einem anderen Projekt abzulenken. Um die Gedanken in seinem Kopf abzuschalten und um sich selbst zu beweisen, dass man wenigstens darüber die Kotrolle hat und das erfolgreich abschließen kann. Ich hab damals bis ins Detail meine Geburtstagsparty geplant. Sie war grandios ;.).
Möchtest du aber gerade lieber alles hinschmeißen und die Decke über den Kopf ziehen. Dann verstehe ich das und dann nimm die Decke, öffne einen Streamingdienst und igel dich ein. Weine, schreie, sei wütend. Lass alles raus! Aber nach maximal einer Woche, steh auf, geh raus.
Belohne dich!
Geh spazieren, triff dich mit Freunden, treib Sport, unternimm einen Ausflug. Belohne dich selber! Denn du hast in den letzten Wochen vor der Prüfung viel gearbeitet und geleistet. Es hatte zwar noch nicht das erhoffte Ziel, aber du darfst dich trotzdem dafür belohnen, dass du es schon soweit geschafft hast. Das Referendariat ist eine kräftezehrende Zeit und du brauchst jetzt wieder Energie und Kraft für den Endspurt. Also gönn dir was, erhol dich, sammle Kraft, Energie und positive Momente.
Wenn du wieder voller Energie und Entschlossenheit bist dann fokussiere dein Ziel und überlege, was es dazu braucht, dass es dieses Mal erfolgreich wird.
Brauchst du eine neue Klasse, einen neuen Mentor, mehr Handlungsmöglichkeiten im Umgang mit Schüler*innen, andere Methoden, eine andere Vorbereitung, mehr oder andere Unterstützung von deiner Schulleitung und Kolleg*innen?
Was brauchst DU? Es geht jetzt nur um dich und DEIN Ziel!
Wenn du gerade mit allem überfordert bist und nicht weißt, wie du das alles allein schaffen sollst: Melde dich bei mir. Zusammen finden wir einen Weg, bringen Ordnung in dein gedankliches Chaos und wir bringen dir dein Selbstvertrauen zurück. Für Lehramtsanwärter*innen gibt es 20% Rabatt. Ich freue mich von dir zu hören! Du bist keine schlechte Lehrkraft!
Unser größter Ruhm ist nicht, niemals zu fallen, sondern jedes Mal wieder aufzustehen.
Nelson Mandela

















