Ich wünsche Ihnen allen eine besinnliche Weihnachtszeit.
Jetzt schon?
Warum es sich lohnt, bereits im November mit den Vorbereitungen für Weihnachten und die Adventszeit zu beginnen, erfahren Sie in diesem Beitrag. Auch wenn die letzten Wochen des Jahres oft von zahlreichen Veranstaltungen, Terminen und To-Do-Listen geprägt sind, gibt es viele Möglichkeiten, diese besondere Zeit des Jahres bewusst zu genießen und sich selbst nicht zu verlieren. Mit ein paar praktischen Tipps und Überlegungen können Sie den Advent stressfreier gestalten und auch inmitten des Trubels Ruhe und Besinnlichkeit finden.

Ich erinnere mich an Jahre, in denen ich zwar in der Schule das Thema Advent und Weihnachten mit Hochdruck im Unterricht, in der Raumgestaltung und bei diversen Veranstaltungen thematisiert und zelebriert habe. Doch privat habe ich keinen einzigen Weihnachtsmarkt besucht und stand am 24. Dezember morgens in den Geschäften, um schnell noch Geschenke zu besorgen – oder ich saß am Computer, um Gutscheine zu erstellen. Als die Weihnachtsfeiertage dann vorbei waren, war ich erschöpft und müde. Wieder einmal hatte ich das Gefühl, die Advents- und Weihnachtszeit nicht wirklich wahrgenommen zu haben.
Advent heißt Ankunft. Aber wenn wir keine Zeit haben, kommt nichts an.
Unbekannt
Das ist sehr schade, denn ich finde diese Zeit von Mitte November bis Ende Dezember eigentlich eine wunderbare Gelegenheit, um zu entschleunigen und zur Ruhe zu kommen. Vielleicht halten Sie mich jetzt für verrückt. Vielleicht sehen Sie gerade Ihre lange To-do-Liste vor sich: die Verpflichtungen für die Schule, die privaten Feiern, die Vorbereitungen, das Bild voller Geschäfte an den Adventssamstagen, Kälte, Matsch und Dunkelheit.
Doch selbst zwischen all dem kann ich für Sie Ruhe und Entschleunigung entdecken. Seit der Zeitumstellung und dem früheren Einbruch der Dunkelheit hat sich bei mir eine andere Sicht auf den Abend eingestellt. Man ist früher im Haus, lässt die Müdigkeit mehr zu und geht vielleicht sogar früher ins Bett (denn wenn die Sonne noch ins Schlafzimmer scheint, fühlt es sich doch merkwürdig an, die Rollläden zu schließen).
Abendliche Gartenarbeiten nach dem Einschlafen der Kinder? Im Winter keine Option. Stattdessen entwickelt sich eine gemütliche Kuschelstimmung. Mein Bedürfnis nach einem guten Buch auf dem Sofa oder eingekuschelt in die Bettdecke ist gerade jetzt größer als in den Sommermonaten. Auch ein entspannendes Bad klingt jetzt verlockender und wohltuender. Das beruhigende Licht von Kerzen und der Duft von Tee oder Punsch entfalten in der Dunkelheit erst ihren vollen Zauber.
Diese Wochen im Jahr bieten von Natur aus viele Möglichkeiten zur Entschleunigung und Ruhe. Doch oft wird diese Zeit zur stressigsten und anstrengendsten des Jahres. Das muss nicht sein. Lesen Sie hier, wie Sie Hektik und Stress reduzieren können – und Zeit für sich selbst finden.
Hektik vermeiden
Planen Sie am besten schon im November die Wochen bis Weihnachten. Verteilen Sie Ihre Termine, soweit es möglich ist, so, dass dazwischen ausreichend freie Zeit bleibt. Fragen Sie sich bei selbst festgelegten Terminen: Muss ich das wirklich vor Weihnachten erledigen? Ist das für mich wichtig? Bereitet es mir Freude oder ist es eher eine Belastung?
Traditionen dürfen hinterfragt und neu definiert werden. Treffen Sie sich beispielsweise seit Jahren am dritten Dezemberwochenende mit ehemaligen Schulfreund*innen? Geht es wirklich um das Datum – oder um die Begegnung?
Weihnachtsgeschenke
Geschenke waren bei mir früher der größte Stressfaktor. Ich schaffte es nie rechtzeitig in die Geschäfte. Im November anzufangen, erschien mir übertrieben – schließlich war ja noch „so viel Zeit“. Doch erstens: Es ist eben nicht viel Zeit. Und zweitens: Warum nicht schon im November alles besorgen?
Geschenke haben in der Regel kein Verfallsdatum. Oft sind sie im November sogar günstiger, und die Geschäfte sind wesentlich leerer. Ich besorge auch immer zwei kleine Notfallgeschenke – falls die Nachbarin oder die Mutter eines Kindergartenfreundes plötzlich etwas vorbeibringt.
Weihnachtskarten können übrigens ebenfalls schon an einem nebligen Novembertag geschrieben, adressiert und frankiert werden. Im Dezember müssen sie dann nur noch eingeworfen werden. Merkt niemand;-). Das Schreiben der Karten kann mit Tee und Klaviermusik sogar zur besinnlichen Vorfreude beitragen.
Weihnachtsfeiern
Fußball, Turnen, Schule, Kindergarten, Büro – die Weihnachtsfeiern häufen sich von Jahr zu Jahr. Mein Mann hat vor Jahren beschlossen, die Weihnachtsfeier seiner Firma immer schon im November stattfinden zu lassen. Es ist genauso schön wie im Dezember – und weniger stressig.
Eine Schule, die ich kenne, organisiert das gemeinsame Essen sogar erst im neuen Jahr. Statt einer Weihnachtsfeier gibt es eine Neujahrsfeier. Die Stimmung ist entspannt, weil die Köpfe nicht mehr von den letzten Weihnachtsvorbereitungen belastet sind.
Rütteln Sie ruhig ein wenig an festgefahrenen Mustern. Geht es um das Datum – oder um das Zusammensein?
Schulische Verpflichtungen reduzieren
Adventskalender basteln, Bastelnachmittag, Krippenspiel und mehr – die To-do-Liste in der Schule ist oft lang. Als ich kürzlich mit einer Schule einen Termin für die nächste Supervision (Was ist Supervision?) abstimmen wollte, bekam ich prompt zu hören: Bloß nicht im Dezember, da haben wir sowieso schon genug zu tun. Doch auch hier gibt es, meiner Meinung nach, Möglichkeiten sich zu entlasten und Stress zu reduzieren.
Adventskalender
Keine Frage: Ein Adventskalender ist eine schöne Tradition, und daran möchte ich auch nicht rütteln. Aber müssen Sie wirklich für alle 24 Tage individuelle Geschenke besorgen, die Tütchen selbst basteln und bekleben?
Wenn Sie daran Freude haben und es Ihnen wirklich Spaß macht, dann nur zu! Genießen Sie es. Doch falls es für Sie eher eine lästige Aufgabe ist, denken Sie über Alternativen nach. Wie wäre es, die Elternvertretung um Hilfe zu bitten? Oder die Tütchen einfach mit Süßigkeiten zu füllen? Aus Muttersicht sehe ich da überhaupt kein Problem, wenn auch mal Süßigkeiten in der Schule verteilt werden. Ganz ehrlich: Ich bin sogar dankbar für jedes kleine Plastikspielzeug weniger, das bei uns zu Hause herumliegt.
Es gibt auch großartige vorgefertigte Adventskalender. Ich hatte einmal einen Spenden-Adventskalender: Jeden Tag konnte man hinter einem Türchen entdecken, welche gute Tat durch den täglichen Spendeneinsatz von 1 oder 2 Euro bewirkt wurde. Dafür habe ich das Geld sogar von den Kindern eingesammelt. Besonders schön war, dass man täglich per E-Mail Infos zu den unterstützten Projekten erhielt. Das bot eine wunderbare Gelegenheit, Themen aus dem Sach- oder Ethikunterricht aufzugreifen – ein echtes Win-Win!
Adventsbastelnachmittag
Braucht es diesen Nachmittag wirklich? Wenn ja, überlegen Sie, wie Sie ihn für sich entlasten können. Müssen Sie wirklich alles selbst organisieren und vorbereiten? Vielleicht können die Elternvertreter*innen einspringen. Auch die Kinder können – je nach Klassenkonstellation – beim Aufstellen der Tische und der Dekoration helfen. Das ist nicht nur entlastend, sondern auch ein wertvolles Lernfeld.
Planen Sie den Termin so, dass er Ihnen am besten passt. Sorgen Sie dafür, dass Sie vorher etwas Zeit und Ruhe haben. Wenn der Unterricht für den nächsten Tag vorbereitet und alle offenen To-dos erledigt sind, gehen Sie entspannter in den Nachmittag.
Vielleicht können Sie auch schon vorab kommunizieren, dass es ein gemeinsamer Nachmittag von Eltern, Kindern und Ihnen ist und die Aufsichtspflicht bei den Eltern liegt. Unser Kindergarten formuliert das immer so schön: „Die Fürsorge- und Aufsichtspflicht liegt bei den Eltern. Es gelten jedoch die Regeln des Kindergartens.“
Sie müssen an solchen Nachmittagen nicht den Alleinunterhalter spielen. Auch jemand aus der Elternschaft kann durch den Nachmittag führen, Bastelanleitungen erklären oder die Organisation übernehmen. Nutzen Sie die Zeit stattdessen, um die Stimmung in der Klasse aufzunehmen oder mit Eltern ins Gespräch zu kommen – ohne den Druck, gleich schulische Themen besprechen zu müssen.
Und wenn Sie den Nachmittag als zu große Belastung empfinden, dann lassen Sie ihn weg. Es gibt auch andere Gelegenheiten, bei denen Eltern in die Schule kommen oder das Gespräch mit Ihnen suchen können.
Weihnachtsfeier, Gottesdienst und Krippenspiel
Klassiker, an denen oft nicht gerüttelt wird, deren Vorbereitung aber enorme Ressourcen verschlingt. Hinterfragen Sie ruhig das Prozedere
Braucht es jedes Jahr eine neue Variation des Krippenspiels? Natürlich kann man die Dekoration variieren, aber müssen Texte und Stücke jährlich komplett neu geschrieben werden? Ändert dies wirklich etwas an der Botschaft oder an der Lernerfahrung der Kinder?
Das Einüben eines Theaterstücks mit Kindern ist zeitintensiv – das weiß ich aus eigener Erfahrung. Wenn das Ihre Leidenschaft ist und Sie am Aufführungstag nicht gestresst oder überfordert sind, dann machen Sie gerne weiter. Diese Begeisterung überträgt sich auch auf die Kinder. Aber wenn es für Sie eine Belastung ist, wenn andere Themen in Ihrer Klasse momentan wichtiger sind oder wenn die Kinder, Sie selbst und die vielleicht sogar die Eltern an den Texten und Proben verzweifeln, lohnt es sich, über Alternativen nachzudenken:
- Wenn das Lernen von Texten ein Problem darstellt, können die Kinder pantomimisch agieren, während einige Kinder oder Sie den Text vorlesen.
- Falls das Präsentieren vor Publikum eine große Belastung ist, könnte das Stück vorab gefilmt und am Tag der Aufführung abgespielt werden. Am Ende kommen alle Kinder auf die Bühne und nehmen gemeinsam den Applaus entgegen – ein ebenso schönes Gefühl wie bei einer Live-Aufführung.
Falls Sie das Gefühl haben, bestimmte Dinge nur deshalb beizubehalten, weil sie von den Eltern erwartet werden, versetzen Sie sich in deren Lage. Was möchten Eltern wirklich sehen? Sie möchten ihr Kind in einem Klassenprojekt erleben – ein Kind, das Freude hat an dem, was es tut, und stolz auf sich ist. Oft reicht schon ein einfacher Moment, um Elternherzen höherschlagen zu lassen. Mir persönlich geht das Herz auf, wenn mein Sohn mit seiner Kindergartengruppe ein Lied singt. So geht es bestimmt vielen.
Freie Zeit für sich selbst
Nachdem der Terminkalender entrümpelt und Stressfaktoren reduziert wurden, bleibt Raum für das Wichtigste: Zeit für sich selbst.
Nutzen Sie diese Zeit, um einfach mal die Seele baumeln zu lassen, das Jahr zu reflektieren und Pläne für das neue Jahr zu schmieden. Stellen Sie sich Fragen wie:
- Was brauche ich?
- Was tut mir gut?
- Was kann ich ändern, damit es mir langfristig besser geht?
Im hektischen Berufsalltag kommen Pausen oft zu kurz. Die kurzen Erholungsmomente zwischen Unterrichtsstunden sind längst gefüllt mit Aufsichten oder Besprechungen. Aber gerade regelmäßige Pausen sind wichtig, um zwischen Anspannung und Entspannung zu wechseln. (So nutzen Sie Ihre Pausen effektiv)
Die Vorweihnachtszeit ist eine wunderbare Gelegenheit, bewusst Pausen in den Alltag zu integrieren. Schon 10 Minuten am Tag können einen Unterschied machen. Ich persönlich habe für mich 10- bis 20-minütige Yoga-Sequenzen entdeckt, die ich entweder gleich morgens nach dem Aufstehen oder in der Mittagspause mache. Viele davon bieten sich aber auch zur Abendentspannung an.
Überlegen Sie, wann Sie solch einen kleinen, festen Zeitslot in Ihren Tag einbauen können. Und falls Sie dafür 10 Minuten weniger auf Social Media verbringen müssen – es lohnt sich. Probieren Sie es einfach aus!
Wenn Yoga nicht Ihr Ding ist, gibt es viele andere Möglichkeiten. Vielleicht mögen Sie es, in einer Zeitschrift oder einem Buch zu lesen – es gibt tolle Kurzgeschichten, auch passend zur Weihnachtszeit oder Bücher über Achtsamkeit und Entschleunigung. Vielleicht genießen Sie eine Tasse Kaffee oder Tee, begleitet von sanfter Klaviermusik, ohne sonstige Ablenkungen. Oder Sie gönnen sich einfach 10 Minuten Stille, nur für sich selbst. Solche kleinen Auszeiten, in denen Sie den Alltag kurz ausblenden können, sind wahre Erholungsoasen.
Darüber hinaus erstelle ich mir persönlich gerne eine Liste mit Dingen, die ich in der Vorweihnachtszeit für mich machen möchte. Vielleicht starten Sie mit einem zusätzlichen Highlight pro Woche: ein Ausflug zu einem Weihnachtsmarkt in einer anderen Stadt, ein schönes Abendessen mit einem guten Freund oder einer Freundin, ein Kinobesuch oder eine Ausstellung. Wenn Sie das Backen lieben, dann backen Sie Ihre Lieblingskekse oder einen Kuchen – ganz für sich, begleitet von guter Musik – und genießen Sie diese Momente später auf der Couch, vielleicht mit einem Weihnachtsfilm oder einem Buch.
Für mich gibt es nichts Schöneres, als an kalten Winterabenden in der Badewanne zu liegen – mit einer süßen Kleinigkeit, ja, manchmal sogar einem Stück Kuchen. Einfach nur zu Hause sein und die Ruhe genießen kann so wohltuend sein.
Wie wäre es, wenn wir diese Vorweihnachtszeit weniger „müssen“ und dafür mehr „wollen“(so kann das funktionieren)? Die Adventszeit ist schließlich eine Zeit der Vorbereitung, der Vorfreude und des Wartens – im christlichen Sinne auf Jesus Christus. Warten Sie nicht nur auf die Ferien. Erholen und entschleunigen Sie schon jetzt – mitten im Alltag.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine wundervolle, magische, ruhige und entspannte Vorweihnachtszeit. Es ist möglich! 😊
Weihnachten ist keine Jahreszeit. Es ist ein Gefühl.
Edna Ferber

















