Ferien sind für Lehrer weit mehr als nur eine Pause vom Schulalltag. Sie sind die Zeit, in der Körper und Geist wieder auftanken können. In diesem Artikel erfahren Sie, warum Erholung so wichtig ist und wie Sie Ihre Ferien gezielt nutzen, um neue Energie und Kraft zu gewinnen.
„Jetzt hat der schon wieder Ferien.“
Das sagte mein Mann neulich scherzhaft zu unserem Sohn.

Am selben Tag bekam ich von einer befreundeten Lehrerin eine Absage für ein Treffen mit den Worten:
„Ich würde so gerne aber du kennst es ja. Pünktlich zu den Ferien hat es mich umgehauen. Ich lieg total flach.“
Und ich kenne beide Seiten.
Die berufstätigen Eltern, die überlegen, wie sie die langen Ferienzeiten mit ihren Urlaubstagen abdecken sollen. Und ich kenne das Gefühl, am ersten Ferientag krank aufzuwachen oder die Tage davor nur noch durchgezogen zu haben.
Deshalb verteidige ich im Freundeskreis die Ferienzeit oft ziemlich vehement. Nicht nur, weil auch Kinder diese Pausen vom vom ständigen Leistungsdruck, vom Funktionieren müssen und von intensiven sozialen Interaktionen brauchen. Sondern auch, weil Lehrkräfte sie brauchen.
Denn dieser Beruf ist anders.
Unterrichten ist weit mehr, als nur Inhalte zu vermitteln. Vor einer Klasse mit bis zu 30 Individuen zu stehen – alle mit unterschiedlichen Persönlichkeiten, Bedürfnissen, Diagnosen, Traumata und Eltern – bedeutet körperliche und mentale Höchstleistung. Man beobachtet, reagiert, moderiert, fängt Konflikte auf und trifft Entscheidungen im Sekundentakt.
Es gibt kaum Raum für gedankliches Abschweifen, selten Zeit zum Trinken und oft nicht einmal Gelegenheit für einen kurzen Toilettengang. Echte Pausen existieren häufig nur auf dem Papier. In der Realität sind sie meist gefüllt mit Gesprächen, organisatorischen Aufgaben oder Elternkontakten. Dadurch wird oft selbst die „Pause“ zur Arbeitszeit.
Schule ist kein ruhiger Arbeitsplatz. Sie ist ein dauerhafter Zustand erhöhter Anspannung, der sich über viele Stunden hinweg durchzieht und sich über Wochen hinweg aufbaut.
In dieser Zeit arbeitet das Nervensystem dauerhaft auf Hochtouren. Nicht entspannt im „Ich beantworte ein paar Mails“-Modus, sondern eher im „Ich stehe auf einer Bühne und darf mir keinen Aussetzer erlauben“-Modus. Und das über Wochen hinweg. Der Körper unterscheidet nicht zwischen einer lebhaften Klasse, einem Konfliktgespräch oder einer wichtigen Präsentation. Für ihn bedeutet all das Aktivierung, Spannung und Stress.
Anspannung gehört zu jedem anspruchsvollen Beruf. Problematisch wird es erst dann, wenn auf lange Phasen der Aktivierung keine echte Entspannung folgt.
Genau deshalb sind Ferien keine Luxus. Sie sind notwendig. Erholung ist kein Bonus, sondern der notwendige Gegenpol zur Daueraktivierung.
Fehlt dieser Gegenpol, passiert etwas, das viele Lehrkräfte kennen: Man ist ständig müde, ohne sich wirklich erholt zu fühlen. Der Schlaf bringt keine echte Regeneration und selbst freie Zeiten wirken nicht ausreichend. Irgendwann entsteht das Gefühl, dass selbst längere Pausen nicht mehr genügen, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen. (Lesen Sie dazu auch: 10 Warnzeichen eins Burnouts.)
„Die Ferien waren zu kurz“, sagte neulich jemand in einer Supervisionsrunde. Für Außenstehende mag das anmaßend klingen. Ich kann diesen Satz sehr gut verstehen. Viele Lehrkräfte gehen mit einem massiven Erholungsdefizit in die Ferien. Der Körper läuft monatelang im Funktionsmodus und soll in wenigen Wochen Schlaf, Privatleben und Gesundheit nachholen.
Doch Regeneration funktioniert nicht wie ein Akku, den man einmal vollständig auflädt und dann wieder leer fährt. Unser System braucht regelmäßige Zwischenstopps. Kleine Inseln der Ruhe während der Schulzeit. Fehlen diese, werden die Ferien zur Reparaturphase statt zur echten Erholungszeit.
Und Reparatur fühlt sich anders an als Erholung. Viele berichten, dass sie in der ersten Ferienwoche erst einmal krank werden. Kopfschmerzen, Erkältungen und extreme Müdigkeit sind keine Seltenheit. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein biologischer Vorgang: Das Nervensystem darf endlich loslassen und der Körper holt sich die Pause, die vorher gefehlt hat.
Deshalb ist die entscheidende Erkenntnis: Ferien sind wichtig, aber sie dürfen nicht die einzige Erholungszeit im Jahr sein.
Gönne dir einen Augenblick der Ruhe und du erkennst, wie närrisch du herumgehastet bist.
Laozi
Erholung muss im Alltag beginnen
Die wichtigere Frage lautet nicht nur, wie Sie sich in den Ferien erholen. Sie lautet auch: Wo darf Ihr System während der Schulzeit regelmäßig herunterfahren?
Es geht nicht um stundenlange Wellnessfenster. Es geht um wiederkehrende Entlastungsräume. Ein bewusst gesetzter Feierabend ist einer der stärksten Hebel. Viele Lehrkräfte hören physisch auf zu arbeiten, bleiben innerlich aber im Schulmodus. Gedanken kreisen weiter, To-do-Listen laufen im Hintergrund. Ein kleines Abschlussritual kann helfen, diesen Zustand zu beenden: die Tasche bewusst abstellen, den Kalender schließen, tief durchatmen und innerlich sagen: Für heute ist Schluss.
Ebenso wichtig sind unterrichtsfreie Inseln im Wochenplan. Ein Nachmittag, der nicht verhandelbar ist. Keine Korrekturen, keine Vorbereitung, keine Mails. Dieser feste freie Raum signalisiert dem Körper, dass es Zeiten gibt, in denen er nicht funktionieren muss.
Auch kurze Pausen im Schulalltag wirken stärker, als viele vermuten. Zwei Minuten am offenen Fenster, ein kurzer Gang nach draußen oder ein paar bewusste Atemzüge zwischen zwei Stunden verhindern, dass sich Spannung über den Tag hinweg aufstaut.
Bewegung nach Schulschluss hilft zusätzlich, den Aktivierungszustand abzubauen. Ein Spaziergang oder leichte körperliche Aktivität unterstützen den Übergang vom Arbeitsmodus in den Abend. Wer direkt von der Hochspannung auf das Sofa fällt, nimmt die innere Unruhe oft mit.
Diese Maßnahmen ersetzen keine Ferien, aber sie verhindern, dass sich die Erschöpfung bis dahin unkontrolliert aufaddiert. Lesen dazu auch mehr hier: Entspannt durch das Schuljahr
Und manchmal braucht es dabei Unterstützung von außen. Professionelles Coaching kann helfen, sich neu zu sortieren, Prioritäten zu klären und gesunde Grenzen zu setzen. Viele Lehrkräfte merken erst im Gespräch, wie sehr sie dauerhaft über ihre eigenen Kapazitäten hinaus arbeiten. Struktur, Reflexion und klare Strategien entlasten nicht nur den Arbeitsalltag, sondern schützen langfristig die Gesundheit. Ich unterstütze Sie dabei auch gerne in den Ferien. 😉
Ferien bewusst schützen
Ferien müssen nicht automatisch Arbeit sein. Mit ein bisschen Struktur, klaren Grenzen und bewusst eingeplanter Selbstfürsorge kann echte Erholung gelingen.
So schützen Sie ihre Ferien:
1. Strukturieren Sie Ihre Ferien bewusst
Es klingt zunächst paradox: Planen Sie Ihre Ferien wie Arbeit – nur umgekehrt. Ich habe festgestellt, dass ich selbst in den Ferien am meisten entspanne, wenn ich mir einen klaren Rahmen setze. Zum Beispiel: Zwei feste Vormittage pro Woche für schulische Aufgaben reichen oft aus. Danach ist frei. Und dieses Frei fühlt sich wirklich frei an, weil der Kopf nicht mehr ständig flüstert: Du müsstest eigentlich noch…
2. Prioritäten setzen – das Wichtige erkennen
Es ist verlockend, in den Ferien alles nachzuholen: Materialien für mehrere Wochen vorbereiten, Korrekturen aufholen, Hefte korrigieren, E-Mails beantworten. Ich habe gelernt, mich zu fragen: Was muss jetzt wirklich erledigt werden? Was kann warten? Dabei hilft die Regel, die ich mir selbst gegeben habe: 60 % Ferienzeit für Erholung, 40 % für schulische Aufgaben – verteilt auf die Woche. Alles, was darüber hinausgeht, darf warten. Sie werden merken: Das Wichtigste erledigen Sie trotzdem und Ihre Energie bleibt erhalten.
3. Räume trennen – Schule bleibt draußen
Wenn möglich, erledigen Sie schulische Arbeit außerhalb Ihres privaten Rückzugsortes. Ich habe zuhause ein eigenes Büro, in dem nur gearbeitet wird. Alles, was außerhalb dieses Raumes passiert, gehört zur Freizeit. So gelingt es leichter, nach Feierabend oder Ferienende wirklich loszulassen. Wenn ein festes Büro zuhause nicht möglich ist, suchen Sie nach Alternativen: ein leerer Klassenraum oder ein Raum bei Freunden oder probieren Sie mal ein Coworking aus. Wichtig ist: Legen Sie für sich feste Arbeitszeiten fest und halten Sie diese konsequent ein.
4. Aktiv Erholung planen, denn sie passiert nicht von selbst
Früher dachte ich, dass Erholung automatisch passiert, wenn die Ferien da sind. Tut sie nicht. Ich habe gelernt: Sie müssen bewusst Zeit für sich einplanen. Sport, Spaziergänge, Yoga, Kochen, Lesen, Freunde treffen oder Urlaub – all das sind kleine Investitionen in Ihre Gesundheit. Selbst kleine Rituale helfen: ein bewusstes Frühstück, ein gutes Buch mit einer Tasse Tee, eine halbe Stunde spazieren gehen oder bewusste handyfreie Zeit. Sie werden staunen, wie sehr diese kleinen Momente Ihre Erholung unterstützen.
5. Nein sagen – auch in den Ferien
Ferien sind der perfekte Zeitpunkt, um das Nein-Sagen zu üben. Nein zu zusätzlichen Aufgaben, die nicht dringend sind. Nein zu E-Mails, die warten können. Ja zu Ihnen selbst. Es ist ein Lernprozess, aber einer, der Ihre Gesundheit schützt. Lese Sie hier wie das Nein-Sagen geling.
6. Reflexion – Ihre Ferien bewusst gestalten
Am Ende der Ferien lohnt es sich, innezuhalten: Haben Sie die Pause genutzt, um wirklich aufzutanken? Was hat Ihnen gut getan, was war stressig? Schreiben Sie sich eine kurze Notiz am Abend vor dem letzten Ferientag: „Was nehme ich mit? Was will ich im nächsten Ferienblock anders machen?“ Diese Reflexion hilft, Ferien in Zukunft noch erholsamer zu gestalten.
Nachhaltige Energie statt Durchhalten
In meinen Coachings sage ich zu den Lehrkräften oft: Ziel ist nicht, weniger engagiert zu sein. Ziel ist, so zu arbeiten, dass Engagement langfristig möglich bleibt.
Dauerhafte Anspannung ohne regelmäßige Regeneration führt nicht zu besserem Unterricht, sondern zu Erschöpfung. Und Erschöpfung nimmt Geduld, Kreativität und Präsenz, genau die Fähigkeiten, die im Klassenzimmer gebraucht werden.
Nachhaltige Energie entsteht aus einem gesunden Wechsel zwischen Phasen hoher Aktivität und Zeiten echter Entlastung. Ferien sind ein wichtiger Teil dieses Rhythmus. Sie entfalten ihre Wirkung aber erst dann vollständig, wenn Erholung auch im Alltag erlaubt ist.
Regeneration steht nicht im Gegensatz zur Professionalität.
Sie ist ihre Voraussetzung.
Erholung ist die Würze der Arbeit.
Plutarch
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen von Herzen erholsame Ferien!


















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