Warum nicht? Auch Lehrer dürfen krank sein…
„Dieses Schuljahr machen wir es anders. Wenn ihr krank seid, seid ihr krank und bleibt zuhause! Letztes Jahr haben wir eine Erkältung reihum dauernd weitergegeben. Erholt euch, kuriert euch aus und kommt erst dann wieder!“
Revolutionär dachte ich mir, als das meine Chefin in der ersten Konferenz sagte. Aber eigentlich so logisch. Und wenn uns eines durch die Corona Pandemie bewusst geworden ist, krank zur Arbeit zu gehen ist nicht heldenhaft, sondern fahrlässig!
Doch warum trauen sich Lehrer und Lehrerinnen nicht krank zuhause zu bleiben?

Erstens wegen des Pflichtbewusstseins, gegenüber den Kolleg*innen und Schüler*innen, zweitens wegen des Geredes. „Wie, der ist schon wieder krank?“ „Jetzt muss ich auch noch dessen Arbeit übernehmen und eigentlich bin ich ja auch krank“, „Aber ich stehe hier“.
Diese Kombination aus Pflichtbewusstsein und Gerede hat mich sehr oft in die Schule getragen, obwohl ich im Bett hätte liegen bleiben sollen. Im Referendariat habe ich mich morgens mit Grippemittel und Kaffee gepusht, in den Pausen Halsschmerztabletten gelutscht und bin abends mit Grippemittel und heiser eingeschlafen.
Erst als ich Schüttelfrost und Fieber hatte, hab ich mich krankgemeldet. Aber ich stand schneller wieder in der Klasse, als es mein Gesundheitszustand zugelassen hätte.
So war ich zwar den ganzen Winter dauererkältet, aber immer in der Schule!
Nach einem etwas lächerlichen Arbeitsunfall – hatte mir bei einer Trampolinfortbildung den Nacken verspannt – stand ich trotz enormer Schmerzen bis nachmittags im Klassenzimmer, mit ein paar IBU 600 verteilt über den Tag ging das schon. Aber glauben Sie mir, man soll damit nicht am Straßenverkehr teilnehmen und man sollte damit auch keine Klasse führen. Nachmittags kam ich mir vor wie in Trance, alles war sehr langsam und ich war fürchterlich müde.
Hab ich da gute Arbeit geleistet? Nein! Aber ich war da…
Machen Sie es diesen Winter anders! Wenn Sie krank sind, sind Sie krank und bleiben zuhause!
Die größte aller Torheiten ist, seine Gesundheit aufzuopfern, für was es auch sei, für Erwerb, für Beförderung, für Gelehrsamkeit, für Ruhm, (…): Vielmehr soll man ihr alles nachsetzen.
Arthur Schoppenhauer
Aber wie können sich Lehrer und Lehrerinnen trauen krank zu sein?
Hier ein paar Anregungen, was man im Vorfeld planen und strukturieren kann, um ohne schlechtes Gewissen krank zu sein?
- öffnen Sie Türen für Ihre Kolleg*innen, erklären Sie Ihnen Ihre Abläufe und Regeln
- Ernennen Sie Schüler*innen (die zuverlässig Ihre Regeln und Strukturen wiedergeben können) zu Experten, wenn Sie nicht da sind.
- Haben Sie Ordnung und Struktur in Ihrem Klassenzimmer. Beschriften Sie alles, so dass sich jeder in Ihrem Klassenzimmer zurecht finden kann. Führen Sie Listen, hängen Sie Verhaltensregeln sichtbar im Klassenzimmer auf, mit Konsequenzen falls nötig.
- Planen Sie zwei Wochen im Voraus, schreiben Sie einen groben Übersichtsplan mit Themen, grobem Ablauf und Seitenzahlen bzw. ABs.
- Haben Sie einen Notfallordner, entweder für jede*n Schüler*in oder für jedes Niveau, natürlich abhängig von der Klassenstärke. Dieser kann für die Kernfächer folgendes beinhalten: Mandalas, Rechenrätsel, Leserätsel, Lernspiele, ABs zur Wiederholung oder sogar extra Arbeitshefte, die nur im Vertretungsfall verwendet werden…
Ja, es ist erst einmal mehr Aufwand!
Aber ist dies eingespielt, kann die Aktualisierung im laufenden Prozess geschehen.
Und denken Sie immer daran wie anstrengend es ist, wenn man krank ist und dann noch etwas für die vertretenden Kolleg*innen vorbereiten soll…
Trauen Sie sich krank zu sein!
Fehlt Ihnen weiterhin die Kraft und der Mut sich krankzumelden, weil die Kolleg*innen ein unangemessenes Kommentar nach dem anderen äußern oder weil Ihre Schulleitung Sie unter Druck setzt?
Kontaktieren Sie mich und wir finden einen Weg, wie Sie sich ohne schlechtes Gewissen um Ihre Gesundheit kümmern können.


















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