Liebe Kolleginnen und Kollegen,
haben Sie so einen Satz auch schon gehört?
„Wenn Sie sich damit wohler fühlen, können wir das noch mal überprüfen.“
Diesen Satz habe ich im letzten Monat zweimal gehört. Und jedes Mal hatte ich recht mit meinem Gefühl, dass etwas noch nicht stimmt oder nicht richtig passt.

Ich konnte zwar nicht genau beschreiben, was es ist, aber es hat sich einfach nicht gut angefühlt. Also habe ich – trotz der Erklärung der Fachperson oder des Arztes – darauf bestanden, dass noch einmal etwas überprüft wird.
Und das waren für mich gleich zwei Schlüsselmomente.
Erstens: Ich schaffe es endlich, nicht mehr alles einfach so hinzunehmen, wie es mir jahrelang antrainiert wurde. Dieses alte Muster von: „Wenn die Fachperson das so sagt, dann ist es auch so – egal, was du denkst oder fühlst.“
Zweitens: Ich habe wieder gemerkt, dass ich nach all den Jahren endlich wieder bei mir und in meinem Körper angekommen bin. Dass ich seine Signale wieder spüre und sie richtig deuten kann.
Ich erinnere mich noch gut an die Jahre, in denen ich mich für andere – und besonders für meinen Job – aufgeopfert habe. Irgendwann hatte ich keine echte Verbindung mehr zu meinem Körper. Wenn Signale kamen, wie Schmerzen, Erschöpfung oder innere Unruhe, wurden sie entweder ignoriert, betäubt oder es war schlicht schon zu spät. Mein Körper musste dann den Notschalter betätigen, und ich war komplett außer Gefecht gesetzt.
Dass man seine eigenen Bedürfnisse nicht mehr spürt oder sie nicht mehr einordnen kann, höre ich in meinen Gesprächen immer wieder. Besonders im Lehreralltag ist das ein ständiges Thema: Man hat schlicht nicht die Zeit, seinen Grundbedürfnissen nachzugehen – essen, trinken, Toilette –, wenn der Körper das Bedürfnis signalisiert. Der Körper wird darauf trainiert, „bis zum Schluss“ zu funktionieren und möglichst nichts zu fordern.
Aber ist das gesund?
Und vor allem: Ist das wirklich nötig?
Ja, einige Dinge sind tatsächlich, aufgrund der Aufsichtspflicht, nicht sofort möglich, das weiß ich. Aber einen Schluck Wasser zu trinken, kurz ein Fenster zu öffnen oder einmal tief frische Luft einzuatmen – das ist möglich. Und es ist nicht nur für Sie, sondern auch für Ihre Schülerinnen und Schüler wichtig.
Selbst Pausen können erholsam sein, wenn man einmal aus der Reihe tanzt und sie nicht am Kopierer oder im Lehrerzimmer verbringt. Vielleicht fühlt sich allein der Gedanke daran für Sie gerade unmöglich an. Vielleicht sehen Sie keine Möglichkeit, aus dem alltäglichen Dauermodus des Funktionierens auszubrechen, „weil es eben so ist“ und „man das halt so macht“.
Und genau hier sage ich Ihnen: Es ist möglich.
Nicht von heute auf morgen, und nicht in riesigen Schritten. Aber jeder noch so kleine Schritt bringt langfristig eine Veränderung.
Ein erster kleiner Schritt: Der Bodyscan
Wie wäre es für den Anfang mit einem täglichen, kurzen Bodyscan?
Nehmen Sie sich dafür eine feste Zeit, stellen Sie sich am besten einen Wecker. Und wenn er klingelt, halten Sie für zwei oder drei Minuten inne.
Ein Bodyscan bedeutet nicht, dass Sie etwas „leisten“ müssen. Sie müssen nichts analysieren, nichts bewerten, nichts verändern. Es geht einfach darum, wahrzunehmen:
- Wie fühlt sich mein Körper gerade an?
- Wo spüre ich Anspannung? Wo vielleicht Entspannung?
- Ist mein Kiefer locker? Meine Schultern oben oder unten?
- Habe ich Durst? Brauche ich eine Pause?
- Wie fühlt sich mein Atem an? Schnell? Flach? Ruhig?
Vielleicht merken Sie am Anfang gar nicht viel, das ist völlig normal. Der Zugang zu diesen Signalen kommt nicht plötzlich zurück, er wächst langsam. Aber je häufiger Sie üben, desto klarer und lauter werden die Signale Ihres Körpers. Und irgendwann kommt der Moment, in dem Sie wieder instinktiv spüren: „Irgendetwas passt hier noch nicht.“
Und genau das ist der Moment, in dem Sie wieder ganz bei sich sind.
Warum dieser kleine Schritt so entscheidend ist
Ein Bodyscan klingt simpel, vielleicht schon zu simpel. Aber er ist ein kraftvoller Weg, um wieder vom ständigen Funktionieren ins echte Spüren zu kommen. Er unterbricht für einen Moment den Autopiloten und schenkt Ihrem Nervensystem Raum, sich zu regulieren.
Mit jedem kurzen Innehalten erinnern Sie Ihren Körper und Ihren Geist daran, dass Sie wichtig sind.
Dass Ihre Bedürfnisse zählen.
Und dass es möglich ist, wieder in Verbindung mit sich zu kommen.
Und wenn Sie sich auf diesem Weg Unterstützung wünschen, kann auch ein individuelles Coaching eine wertvolle Begleitung sein,um Schritt für Schritt wieder mehr bei sich selbst anzukommen und die eigenen Bedürfnisse klarer zu spüren.
Kleiner Tipp: Mit diesen kleinen Vorsätzen des täglichen Bodyscans können Sie übrigens schon morgen beginnen – dafür müssen Sie nicht bis zum 1.1. warten ;-).
Ich wünsche Ihnen eine ruhige, besinnliche Adventszeit, Momente des Innehaltens und ein Weihnachten, das Ihnen Wärme, Kraft und ein Stück Nähe zu sich selbst schenkt. Mögen diese kleinen bewussten Momente Ihnen den Raum schenken, wieder ganz bei sich anzukommen.
Kommen Sie gut ins neue Jahr!
Herzlichst, Ihre
Sylvia Meran










