Die Anfänge der Supervision kann man in den USA um 1900 sehen. Zur Betreuung und Beratung von „friendly visitors“ wurden „paid-agents“ eingesetzt. Der Bedarf der Beratung ergab sich aus dem Tätigkeitfeld der „friendly visitors“. Ihre Aufgabe bestand darin, Hausbesuche bei Familien in Armutsvierteln der USA durchzuführen. Ziel der Besuche war es den Grad der Hilfsbedürftigkeit der Familien zu ermitteln. Damit sollte eine gezielte Verteilung von finanziellen Mitteln in den Armutsfamilien erfolgen.
Weiterentwicklung durch Mary Richmond
Durch die regelmäßigen Hausbesuche bauten jedoch die „friendly visitors“ persönliche Beziehungen zu den hilfsbedürftigen Familien auf. Um mit diesen Erfahrungen, Erlebnissen und Problemen zurecht zu kommen, wurden den „friendly visitors“ die „paid- agents“ beratend und motivierend beiseitegestellt. Dieses System wurde von Mary Richmond während ihrer Tätigkeit in der „Charity Organization Society“ (COS) entwickelt. Durch den Ausbau der COS wurden den „paid-agents“ und „friendly visitors“ „agent-supervisors“ vorgesetzt. Die nun vor allem für die Koordinierung und Beaufsichtigung der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zuständig waren

Der Begriff Supervision hatte in den Anfängen dementsprechend eine weitestgehend administrative Prägung (vgl. Thiel, 2013, S.75). In diesem Zusammenhang wurden „die „friendly visitors“ in der „social case work“ (zu Deutsch: „Einzelfallhilfe“) geschult. Diese Beratungsmethode ermöglichte den intervenierenden Personen, eine umfassende Diagnose des sozialen Umfeldes ihrer [Klientinnen und] Klienten zu erstellen“ (Thiel, 2013, S.75) und adäquate Hilfsmaßnahmen zu entwickeln.
Veränderungen durch Sigmund Freud
In der ersten Hälfte des Jahrhunderts begann vor allem unter dem Einfluss der Psychoanalyse durch Sigmund Freud eine Veränderung der Supervisionsarbeit. Nicht mehr die Arbeit, sondern das Individuum stand im Vordergrund. „Supervision diente nun nicht in erster Linie der Verbesserung der Arbeit, sondern die Berufstätigen sollten sich im Setting der Einzelsupervision weiterqualifizieren durch das Aneignen von psychoanalytischem Wissen und psychoanalytischer Erkenntnis“ (Denner, 2000, S.93). Hierfür wurden zuerst nur Experten aus der Psychoanalyse eingesetzt.
Supervision dehnt sich in andere Arbeitsfelder aus
Erst ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts (ca. 1960-1970) findet eine Verbreitung der Supervision in anderen Arbeitsfeldern (soziale, therapeutische und medizinische) statt. Als Supervisierende werden zunehmend erfahrene Mitarbeitende aus der sozialen Arbeit eingesetzt (vgl. Denner, 200, S.92f).
Etwa ab 1980 wurden Supervisionen auch in schulischen Arbeitsfeldern, in der Verwaltung, aber auch in der Wirtschaft eingeführt. Ebenfalls wurde die Einzelsupervision zu Gunsten der Gruppen- und Teamsupervision immer mehr verdrängt.
Entstehung der Gruppensupervision – Balint-Gruppe
Der Ursprung der Gruppensupervision kann in der Balint-Gruppe gesehen werden. Ende der 1940er entwickelte der ungarische Arzt und Psychoanalytiker Michale Balint zusammen mit seiner Frau eine Gruppenmethode, die „Training-cum-Research- Gruppe“. Später wurde sie unter dem Namen Balintgruppe weltweit bekannt. Weiterhin wurde als bedeutender Faktor im Supervisionsprozess die Organisation und Institution miteinbezogen. Darüber hinaus entwickelten sich Supervisionskonzepte, die neben der Psychoanalyse, Methoden aus der System- und Verhaltenstherapie sowie der humanistischen Psychologie verwenden. Supervision kann nun mehr als Mittel zur Reflexion des beruflichen Handelns verstanden werden (vgl. Denner, 2000, S.94).
Supervison in Deutschland
In der Bundesrepublik Deutschland fanden ab den 1960er berufsbegleitende Supervisionen statt. Ein qualifizierte Supervisionsausbildung beginnt ein Jahrzehnt später mit den ersten Studiengängen (u.a. Universität Kassel; Evangelische Hochschule Freiburg). 1989 gilt als Gründungsjahr der „Deutschen Gesellschaft für Supervision“ deren Ziel bis heute die Qualitätssicherung und Entwicklung der Supervisionsausbildung ist.
Literatur:
Denner, Liselotte (2000): Gruppenberatung für Lehrer und Lehrerinnen. Eine empirische Untersuchung zur Wirkung schulinternen Supervision und Fallbesprechung. Julius Klinkhardt. Bad Heilbrunn
Thiel, Bernhard (2013): Erfahrungswerte mit Supervision. Gesundheitsförderung bei Lehrkräften durch berufliche Professionalisierung. Verlag Dr. Kovač. Hamburg

















