In diesem Artikel erfahren Sie, wie sich Frust im Schulalltag langsam aufbaut und was Sie tun können, bevor er Sie ausbremst.
Schon mal in einer Konferenz ausgerastet? Nein? Ich schon!
Aber vielleicht kennen Sie solche Situationen: Sie sind einer Arbeitsgruppe zugeteilt, die eifrig jede Woche nachmittags an einem vorgegebenen Thema arbeitet – Schulentwicklung nennt sich das dann.

Und ja, es gibt durchaus Themen, die zur Verbesserung und Vereinfachung des Schulalltags führen können. Deshalb ist es auch sinnvoll, sich einfach mal hinzusetzen und gemeinsam an Lösungen zu arbeiten.
Der Moment, wenn gute Ideen versanden
Allerdings gibt es auch diese Themen, bei denen sich der Nutzen nicht sofort erschließt…
Und trotzdem stecken Sie Ihr Herzblut rein. Ihre Energie. Arbeiten sogar über das vorgesehene Zeitfenster hinaus. Und dann stellen Sie und Ihr Team das Resultat vor. Ein Ergebnis, mit dem alle zufrieden sind.
Und was passiert?
Nichts.
Es wird nicht umgesetzt. Kein nächster Schritt. Kein „Super, das probieren wir jetzt aus.“ Stattdessen: „Da fehlen uns die Ressourcen.“ Oder: „Das ist gerade nicht prioritär.“ Oder mein ganz persönlicher Klassiker: „Das vertagen wir aufs nächstes Schuljahr.“
Weil gerade andere Dinge wichtiger sind. Weil keine Mittel zur Verfügung stehen. Oder weil die oberste Ebene der Meinung ist, dass es eben nicht gebraucht wird.
Frust als stiller Begleiter
Und da sitzt man dann. Mit einem fertigen Konzept. Mit viel investierter Zeit, Energie und Herzblut. Und alles, was man bekommt, ist ein höfliches Nicken gefolgt vom leisen Geräusch der Idee, die in der Versenkung verschwindet.
Das nervt. Das frustriert. Das macht wütend! Anfangs schluckt man das noch runter. Tröstet sich mit der Ausrede: Vielleicht wird es ja irgendwann gebraucht. Aber spätestens beim zehnten Mal wird es zermürbend.
Es brodelt. Sie rechnen innerlich die verlorene Zeit aus. Zeit, in der Sie etwas für Ihren Unterricht, Ihre Schülerschaft oder einfach nur Ihren Haushalt hätten machen können. Und jedes Mal, wenn Sie die Personen sehen, die für die Nicht-Umsetzung verantwortlich sind, kocht es ein Stück mehr. Ihnen fallen plötzlich noch mehr Unstimmigkeiten auf, kleine und große Geringschätzungen Ihrer Arbeit. Dinge, über die Sie sonst hinwegsehen konnten.
Sie erkennen Muster: „Hier wird wieder relativiert.“ Oder: „Da zählt meine Arbeit nicht.“ Die Themen wechseln plötzlich: von fehlender Umsetzung zu fehlender Wertschätzung, von inhaltlicher Arbeit zu Machtspielen. (Lesen Sie hier, wie Wertschätzung gelingen kann)
Die Frustspirale dreht sich immer schneller. Und irgendwann explodieren Sie.
Wenn der Vulkan ausbricht
So wie ich.
Ich sah wieder ein gut durchdachtes und praktikables Projekt im Papierkorb verschwinden. Und diesmal wollte ich das nicht mehr akzeptieren. Es war zu gut, zu wichtig und vor allem: leicht umsetzbar. (Kleiner Spoiler: Es wird tatsächlich bis heute verwendet.)
Ich meldete mich zu Wort. Ich wollte nicht mehr stillschweigend dasitzen. Und ja rückblickend betrachtet: es war zu viel. Auch wenn ich vielen anderen aus der Seele gesprochen habe.
Aber es war nicht lösungsorientiert. Es war kein sachliches Gespräch. Es war ein Vulkanausbruch gespeist von jahrelang angestautem Frust.
Was ich heute anders machen würde
Ich hätte früher reden sollen. Offener sagen, wie frustrierend diese Prozesse sind. Klarer beschreiben, wie ich mich dabei fühle. Denn nur, wenn ich sichtbar bin, kann ich auch gehört werden. Nur wenn ich rechtzeitig spreche, muss ich nicht explodieren.
Lernen Sie aus meinem Ausbruch. Sagen Sie, wenn es Ihnen zu viel wird. Warten Sie nicht, bis der Kragen platzt. Reden Sie mit Kolleginnen oder mit der Schulleitung. Kommunikation ist keine Schwäche, sie ist unsere einzige Chance auf Veränderung.
Kommunikation ist der Leim, der Beziehungen zusammenhält – ohne sie bröckelt selbst das stärkste Fundament.
Timo Ertel
Meine persönlichen Tipps gegen Frust im Schulalltag
1. Sprechen Sie Ihre Gefühle frühzeitig an
Nicht erst, wenn das Fass schon am Überlaufen ist. Sagen Sie: „Ich merke, dass mich das frustriert.“ Oder: „Ich bin enttäuscht, dass unsere Arbeit nicht weiterverfolgt wird.“ So einfach und so wirkungsvoll. Und viel gesünder als stiller Ärger.
Tipp – Emotionstagebuch führen:
Notieren Sie regelmäßig:
- Was hat mich heute geärgert?
- Was hat mich gefreut?
- Welche Gespräche oder Situationen haben mich besonders beschäftigt?
So erkennen Sie emotionale Muster früher und können gezielter handeln.
2. Klären Sie Ihre eigenen Grenzen
Nicht jedes Projekt verdient Ihre ganze Energie. Man darf auch mal sagen: „Da mache ich diesmal nicht mit.“ Oder: „Das sprengt meinen Rahmen.“ Setzen Sie Prioritäten. Für sich. Für Ihre Kraft. Für Ihre Balance. Kommunizieren Sie Ihre Erwartungen zu Beginn eines Projekts. Und setzen Sie sich Grenzen. Nicht jedes Thema ist es wert, sich dafür aufzureiben. Manchmal ist ein „Okay, das machen wir diesmal nicht“ gesünder als der Kampf gegen Windmühlen.
Übung – Der Kontrollkreis:
Zeichnen Sie zwei Kreise:
- Innerer Kreis: Was kann ich aktiv beeinflussen?
- Äußerer Kreis: Was liegt außerhalb meines Einflusses?
Fragen Sie sich bei neuen Aufgaben:
- Liegt das in meinem inneren Kreis?
- Wenn nicht: Wie kann ich damit umgehen, ohne meine Energie zu verlieren?
3. Holen Sie sich Unterstützung
Sprechen Sie aus, was Sie belastet. Allein gehört zu werden, kann oft schon entlasten – vor allem, wenn jemand wirklich zuhört und Ihre Gedanken ernst nimmt. Es geht nicht darum, sofort eine Lösung zu finden. Wenn Gedanken und Gefühle klar ausgesprochen sind, entsteht oft mehr Klarheit. Dann können Sie in einem ruhigen Gespräch gemeinsam überlegen, wie Sie das Problem konstruktiv und Schritt für Schritt angehen können.
Tipp – Der „Frust-Check-in“:
- Treffen Sie sich einmal pro Woche mit einer vertrauten Kollegin oder einem Kollegen.
- 15 Minuten, in denen jede*r erzählen darf, was gerade schwerfällt.
- Keine Lösungen, nur aktives Zuhören und Nachfragen: „Was brauchst du gerade?“
4. Achten Sie auf sich selbst
Schulentwicklung ist wichtig. Aber Ihre mentale Gesundheit ist wichtiger. Planen Sie bewusst Pausen ein. Nehmen Sie sich Zeit für Dinge, die Ihnen Kraft geben – auch wenn’s „nur“ die Kaffeepause mit der Lieblingskollegin ist. Niemandem ist geholfen, wenn Sie sich selbst verlieren. Denn Selbstfürsorge ist die beste Prävention (lesen Sie hier mehr dazu).
Mini-Pausen-Ideen für zwischendurch:
- 2-Minuten-Atemfokus: Augen schließen, nur den Atem beobachten.
- Bewegung: Schultern kreisen, aufstehen, zum Fenster gehen.
- Gedankenstopp: Beim Grübeln laut „Stopp!“ sagen und den Fokus wechseln.
- Kreativer Ausgleich: Gedanken aufschreiben, kritzeln, skizzieren
5. Dokumentieren statt explodieren
Halten Sie Ihre Ergebnisse und Ideen gut fest, schriftlich, übersichtlich, nachvollziehbar. Dann können Sie diese zu einem späteren Zeitpunkt wieder vorlegen. Manchmal ist die Zeit einfach (noch) nicht reif.
Tipp – Der „Ich habe etwas bewegt“-Ordner:
- Sammeln Sie: Konzepte, Protokolle, Rückmeldungen, positive Mails.
- Digital oder analog.
- Blättern Sie sie regelmäßig durch, zur Selbstvergewisserung und für neue Energie.
Und wenn es trotzdem zu viel wird?
Dann holen Sie sich professionelle Unterstützung. Coaching oder Supervision (wie kann Supervision Lehrkräften helfen) sind kein Zeichen von Schwäche, sondern Ausdruck von Verantwortung sich selbst gegenüber. Manchmal braucht es einen Blick von außen, um den inneren Druck abzubauen. Um den eigenen Weg (wieder) klarer zu sehen. Um handlungsfähig zu bleiben.
Wenn Sie an dem Punkt stehen oder ihn gar nicht erst erreichen möchten, begleite ich Sie gern in einem geschützten Rahmen. Individuell, ehrlich, lösungsorientiert. Mit Erfahrung aus dem System und mit dem Blick von außen.
Sprechen Sie mich gerne an.
Denn manchmal ist es besser, den Dampf gemeinsam abzulassen bevor der Vulkan ausbricht.

















