Faule Lehrer: Wie mangelnde Wertschätzung den Beruf gefährdet und was Lehrer persönlich dagegen tun können

Sylvia Meran

Coaching & Supervision für Lehrkräfte, Schulleitungen und päd. Fachkräfte

Ich schreibe hier in meinen Blog über die Themen Lehrergesundheit, Burnout, Supervision und Coaching. Ich teile mit Ihnen meine Tipps und Erfahrungen als Lehrerin und Coach und zeige Ihnen wie Sie langfristig in diesem Beruf gesund bleiben können.

Lehrer haben vormittags Recht und nachmittags frei – ein veraltetes Klischee, das die Realität des Lehrberufs weit verfehlt.

Hinter dem vermeintlich entspannten Leben des Lehrers, des Halbtagsjobbers, verbirgt sich eine Realität voller Hingabe, Überstunden und emotionaler Herausforderungen.

In meinem Blogartikel erfahren Sie, wie Wertschätzung und Anerkennung den entscheidenden Unterschied im Lehrerberuf ausmachen können und was Sie persönlich tun können, wenn Ihre Arbeit nicht wertgeschätzt wird.

Ich bin mit dem Spruch „Lehrer haben vormittags Recht und nachmittags frei“ aufgewachsen. Als Schülerin habe ich ihn nie so richtig hinterfragt, besonders da ich oft meine Lehrerin mittags beim Eisessen getroffen habe.

Erst als ich selbst auf der anderen Seite stand, wurde mir bewusst, wie viele Nachmittage, Abende und sogar Wochenenden und Ferien Lehrkräfte opfern, um Unterricht vorzubereiten, zu korrigieren und sich um ihre Schülerschaft zu kümmern. (Lesen Sie hier, warum Ferien so wichtig sind)

Die öffentliche Vorstellung, dass Lehrkräfte nur vormittags arbeiten und nachmittags frei haben, verschwindet schnell, wenn man die Realität dieses anspruchsvollen Berufs erlebt.

Wir sind keine Halbtagsjobber!

Sie und ich wissen, wie anspruchsvoll und kraftraubend dieser Beruf ist. Nicht nur wegen der intensiven Vor- und Nachbereitung, sondern auch wegen der Verantwortung, vor einer Klasse mit bis zu 30 Schülerinnen und Schülern zu stehen.

Es erfordert immense Kraft und Energie, alle Schülerinnen und Schüler im Blick zu behalten, die Geräuschkulissen zu bewältigen und ständig 100% Aufmerksamkeit zu schenken, damit der Unterricht nicht entgleitet. Hinzu kommen die zunehmenden emotionalen Belastungen der Kinder, die nicht ignoriert werden können, aber oft wenig Zeit bleibt, um die notwendige Unterstützung zu bieten.

Unser Beruf ist geprägt von Spannung, Druck und gelegentlicher Frustration, was auf Dauer sehr kräftezehrend sein kann. Als Lehrkraft benötigen Sie oft viel Idealismus, Leidenschaft und vielleicht sogar eine Prise Naivität, um dem täglichen Wechsel zwischen intensiven Unterrichtsphasen und kurzen Ruhephasen standzuhalten. (Achtsam im Lehralltag: So nutzen sie Pausen richtig)

Studien zur Lehrergesundheit zeigen, dass herausforderndes Schülerverhalten und große Klassen die größten belastenden Faktoren des Berufes sind. Diese Faktoren sind oft berufsbedingt und können von uns selbst schwer beeinflusst werden.

Trotz dieser hoffnungslos zu scheinenden Rahmenbedingungen gibt es jedoch einen Faktor, der die vielen Herausforderungen und Belastungen relativieren kann: das soziale Klima im Lehrerkollegium. Sprich das Verhältnis und die Unterstützung unter den Lehrkräften. Die wahrgenommene soziale Unterstützung wirkt dabei wie ein Schutzschild vor den Belastungen des Lehrerberufs.

Eine zentrale Rolle spielt dabei auch die Schulleitung. Wird sie als kooperativ und unterstützend wahrgenommen, fördert dies das positive Klima im Kollegium.

Eine kleine Geste der Wertschätzung kann Berge versetzen

Anerkennung, Wertschätzung und Lob für die geleistete Arbeit kommen jedoch im Arbeitsalltag oft zu kurz. Diese Aspekte können jedoch Berge versetzen und das Arbeitsumfeld enorm verbessern. Eine kleine Geste der Wertschätzung kann genauso wirkungsvoll sein wie eine Reduktion der Arbeitslast. (So gelingt Wertschätzung im Schulalltag)

Mir fällt dazu ein Gespräch mit einer Freundin ein. Sie war sehr frustriert von ihrem Job, da sich die Arbeit immer mehr gehäuft hat, sie überarbeitet war und ihr Chef sich viele Freiheiten rausgenommen hat, die ihr verwehrt wurden. Nach ihrem Urlaub wollte sie sich für andere Stellen bewerben.

Ein paar Wochen später trafen wir uns wieder. Ich fragte, ob sie schon einen neuen Job in Aussicht hat. Dann sagte sie: „Nein, ich bleibe, wo ich bin. Mein Chef kam nach dem Urlaub zu mir und hat gesagt, dass er weiß, dass es gerade viel Arbeit ist und er sieht, was ich alles leiste. Und das wisse er sehr zu schätzen, aber ich soll mir den Druck nehmen, ich muss nicht alles auf einmal machen“.

Seitdem geht sie wieder fröhlich zur Arbeit. Wir alle wissen, dass es trotzdem bei dem Arbeitspensum geblieben ist und ihr Chef sich weiterhin viele Freiheiten rausnimmt, aber diese kleine Geste des Gesehenwerdens und Wertgeschätztwerdens hat ausgereicht, damit sie nicht kündigt und ihre Einstellung zur Arbeit geändert hat.

Wertschätzung, Anerkennung und Lob werden oft nicht viel Beachtung geschenkt. Aber die Folgen von mangelnder Wertschätzung können groß sein und sich auf unterschiedliche Weise auf die Arbeit und Gesundheit auswirken:

Folgen mangelnder Wertschätzung:

  • Mangelnde Motivation und geringe Arbeitszufriedenheit: Wenn Lehrer das Gefühl haben, dass ihre Arbeit und ihr Beitrag nicht angemessen geschätzt werden, kann dies zu einem Mangel an Motivation und einer geringeren Arbeitszufriedenheit führen. Dies kann sich negativ auf ihre Leistung und ihr Engagement im Klassenzimmer auswirken.
  • Burnout und Stress: Fehlende Wertschätzung kann zu einem Gefühl der Entmutigung und der emotionalen Erschöpfung bei Lehrern führen. Wenn sie das Gefühl haben, dass ihre harte Arbeit nicht anerkannt wird, können sie sich überlastet fühlen, und das Burnout-Risiko steigt. Hoher Stress und emotionale Erschöpfung führen dazu, dass die Unterrichtsqualität beeinträchtigt wird und zu einem erhöhten Lehrerwechsel führen kann.
  • Berufsaufgabe: Die fehlende Anerkennung der Arbeit bei Lehrern kann dazu führen, dass talentierte Pädagogen den Beruf verlassen oder sich für alternative Karrierewege entscheiden. Dies kann zu einem Verlust wertvoller Fachkenntnisse und Erfahrungen führen und letztendlich die Bildungseinrichtungen schwächen.
  • Weniger Engagement für außerschulische Aktivitäten: Wenn Lehrer das Gefühl haben, dass ihre Arbeit nicht geschätzt wird, könnten sie weniger geneigt sein, sich freiwillig für außerschulische Aktivitäten zu engagieren oder sich über das normale Unterrichtspensum hinaus einzusetzen.
  • Negatives Arbeitsklima: Eine Atmosphäre der fehlenden Wertschätzung kann auch das Arbeitsklima in Schulen negativ beeinflussen. Es kann zu Spannungen zwischen Lehrern, Schulleitung und anderen Mitarbeitern führen und das Gesamtklima am Arbeitsplatz belasten.

Regelmäßige Wertschätzung, Anerkennung und Lob sind demnach unerlässlich, um die Motivation, Arbeitszufriedenheit und das Engagement seiner Mitarbeitenden beizubehalten.

Lehrkräfte verdienen Wertschätzung für ihre Arbeit!

Aber was tun, wenn dies weiterhin ausbleibt?

Wenn man weiterhin nur noch überlastet, überfordert und frustriert ist, aber nicht kündigen will, kann oder keine Alternative hat?

In meinen Gesprächen mit Lehrkräften höre ich dann oft die Worte „Ich mach jetzt halt nur noch Dienst nach Vorschrift“. „Ich habe mich jetzt jahrelang so reingehängt und bekomme trotzdem immer die Aufgaben und Klassen, die keiner haben will, und keiner dankt mir. Ich reiße mir jetzt auch kein Bein mehr aus. Bringt ja eh nichts.“ 

Dieses Prinzip der inneren Kündigung ist ein gängiger Schutzmechanismus, um mit undankbaren und frustrierenden Situationen klarzukommen, für die es keinen Ausweg, in diesem Fall die richtige Kündigung, gibt. (Lesen Sie hier mehr dazu: Frust im Schulalltag und wie man damit umgehen kann.)

Und diese Worte höre ich nicht nur von Lehrkräften, die kurz vor der Rente stehen, sondern auch von welchen, die „erst“ seit 15, 20 Jahren im Dienst sind und noch genauso viele, wenn nicht noch mehr, Berufsjahre vor sich haben.

Und das stimmt mich traurig und macht mich wütend. Denn es sind dann doch noch sehr viele Jahre, die man mit diesem Beruf verbringen muss. Und selbst wenn sie „nur noch“ 5 Jahre vor sich haben, ist es kostbare Zeit, die man nicht einfach verstreichen und abhaken sollte, sondern in der man glücklich und zufrieden sein sollte.

Innerlich zu kündigen sollte nicht die Lösung sein

In meinen Coachings suche ich oft Lösungen mit Lehrkräften, wie sie trotz der sehr schwierigen Rahmenbedingungen wieder einen Weg finden, mit Freude und Energie zur Arbeit zu gehen.

Ein Coaching kann dabei helfen, sich selbst und seine Rolle im Gesamtsystem Schule zu sehen bzw. anders zu sehen. Den kleinen positiven Aspekten mehr Beachtung zu schenken, seine Arbeitsbelastung zu reduzieren, ohne dass man dadurch Einbußen bei der Qualität hat. 

Hilfreich ist es auch immer, für sich selbst neue Ziele und Herausforderungen zu suchen. Sei es mit neuen Lernmethoden, einem zusätzlichen Schwerpunktthema (Montessori-Diplom, Erlebnispädagogik, Medienpädagogik etc.) oder indem Sie jemanden erfolgreich durch das Referendariat führen.

Diese Ziele, die Sie für sich setzen, sind dann auch Ihre ganz persönlichen Erfolge. Auf die Sie stolz sein können und die Ihnen im kleinen Rahmen die Anerkennung und Bestätigung geben können, die von außen fehlt.

Die eigene Wirksamkeit zu spüren, hilft ebenfalls gegen die Frustration und Sinnlosigkeit am Arbeitsplatz.

Auch kann eine berufliche Veränderung Ihnen den nötigen Antrieb und die fehlende Motivation zurückbringen. Sei es, wenn Sie vom Fach- zum Klassenlehrer wechseln, in den Schulstufen variieren oder sogar, wenn möglich, in den Schularten wechseln. 

Ein Standortwechsel sowie das Aufbauen eines zweiten beruflichen Standbeins können ebenso zur Verbesserung der Arbeitszufriedenheit und Motivation beitragen.

Auch wenn dieser Punkt sicherlich erstmal Panik auslöst, gepaart mit der Vermutung, dass es keine Möglichkeit gibt, beruflich etwas zu ändern, kann ich Ihnen aus eigener Erfahrung sagen, dass es beim genauen Betrachten viele Möglichkeiten gibt, sich beruflich zu verändern, ohne dass man gleich das ganze Sicherheitsnetz verlassen muss.

Dafür ist ein Coaching sehr ratsam, da dabei nicht nur die eigenen Stärken und Schwächen genauer betrachtet werden, sondern auch die persönliche Weiterentwicklung einen großen Raum einnimmt. Ich versichere Ihnen, in Ihnen steckt mehr, als Sie gerade denken. 

Fakt ist: Zu  jedem Zeitpunkt in Ihrer Berufslaufbahn ist es zu früh, um die Zeit einfach abzusitzen und innerlich zu kündigen. Hier geht es um Sie und Ihre wertvolle und kostbare Zeit. Hier sind nochmals einige Tipps, wie Sie Ihre Motivation und berufliche Zufriedenheit wiederfinden können:

So finden Sie Ihre Motivation und berufliche Zufriedenheit wieder:

Reflexion: Überlegen Sie, warum Sie innerlich gekündigt haben. Identifizieren Sie die spezifischen Aspekte Ihrer Arbeit, die Frust auslösen und ergreifen Sie gezielt Maßnahmen diese zu ändern. Ein Coaching kann Ihnen dabei helfen.

Kommunikation: Suchen Sie das offene Gespräch mit Vorgesetzten, Kolleg*innen oder Vertrauenspersonen. Teilen Sie Ihre Gefühle und Anliegen mit. Ein externer Blick auf Ihre Situation kann möglicherweise hilfreiche Ansatzpunkte und neue Perspektiven für Ihre scheinbar ausweglose Situation bieten

Beratung in Anspruch nehmen: Erwägen Sie die Möglichkeit, professionelle Beratung oder Coaching in Anspruch zu nehmen. Ein Coach kann Ihnen helfen, Ihre Herausforderungen zu bewältigen und Wege zur Wiederherstellung Ihrer beruflichen Zufriedenheit zu finden. (Was ist Coaching?)

Klare Ziele setzen: Definieren Sie klare berufliche und persönliche Ziele. Diese können sowohl kurzfristige als auch langfristige Ziele umfassen.  Diese selbst gesteckten Ziele werden zu Ihren persönlichen Erfolgen, auf die Sie stolz sein können. Und bieten Ihnen im kleinen Rahmen die Anerkennung und Bestätigung, die von außen fehlt. 

Veränderungen vornehmen: Überlegen Sie, welche Veränderungen innerhalb Ihrer Kontrolle liegen. Dies könnten Anpassungen im Unterrichtsstil, die Integration neuer Lehrmethoden oder die Umstrukturierung von Aufgaben sein.

Innovative Unterrichtsmethoden: Probieren Sie neue Unterrichtsmethoden aus, um Ihre Arbeit aufzufrischen. Dies könnte den Einsatz von Technologie, Projektarbeit oder anderen innovativen Ansätzen umfassen.

Eigene Interessen integrieren: Versuchen Sie, persönliche Interessen in Ihren Unterricht zu integrieren. Dies könnte dazu beitragen, mehr Freude und Engagement in Ihre Arbeit zu bringen.

Teamarbeit: Arbeiten Sie enger mit Kolleg*innen zusammen und suchen Sie nach gemeinsamen Projekten. Eine positive Teamkultur kann dazu beitragen, die Arbeitsumgebung zu verbessern.

Selbstfürsorge: Achten Sie auf Ihre eigene Gesundheit und Wohlbefinden. Nehmen Sie sich Zeit für Entspannung, Hobbys und Aktivitäten, die Ihnen Freude bereiten.

Berufliche Neuorientierung: Überlegen Sie, ob eine berufliche Neuausrichtung für Sie infrage kommt, beispielsweise durch einen Wechsel des Fachgebiets, der Schulstufe oder sogar des Berufes.

Coaching kann Ihnen dabei helfen

Es ist wichtig zu erkennen, dass der Prozess der Wiederherstellung der beruflichen Zufriedenheit Zeit in Anspruch nehmen kann. Durch die Identifizierung von Herausforderungen und die Umsetzung konkreter Schritte können jedoch positive Veränderungen eingeleitet werden.

In einer Zeit, in der der Lehrerberuf zunehmend von Herausforderungen und Belastungen geprägt ist, wird oft übersehen, wie wichtig Anerkennung, Wertschätzung und Lob für die Motivation und Zufriedenheit der Lehrkräfte sind.

Die Realität unseres anspruchsvollen Berufsalltags, geprägt von intensiver Vorbereitung, emotionalen Belastungen und hoher Verantwortung vor einer Klasse, erfordert nicht nur Idealismus, sondern auch die Wertschätzung unserer Arbeit.

Leider bleibt die Anerkennung im Alltag oft aus und Lehrkräfte sehen sich mit Frustration, Burnout (Warum leiden so viel Lehrkräfte an Burnout)und einem Gefühl der Sinnlosigkeit konfrontiert. Doch es gibt Wege, die Motivation wiederzufinden und die eigene Zufriedenheit zu steigern.

Eine bewusste Reflexion über die eigene Situation, offene Kommunikation mit Kollegen und Kolleginnen und Vorgesetzten sowie die Inanspruchnahme professioneller Beratung können erste Schritte sein.

Die Definition klarer beruflicher und persönlicher Ziele, die Integration innovativer Unterrichtsmethoden und die Förderung einer positiven Teamkultur können dazu beitragen, die Arbeitsumgebung zu verbessern.

Selbstfürsorge ist dabei von entscheidender Bedeutung, um langfristig gesund und motiviert im Beruf zu bleiben. Lesen Sie hier mehr dazu: Selbstfürsorge ist die beste Prävention.

Für diejenigen, die mit dem Gedanken spielen, innerlich zu kündigen, sei gesagt: Es ist nie zu früh, die eigene Zeit wertzuschätzen. Coaching kann dabei helfen, neue Perspektiven zu entdecken, die eigenen Stärken und Ziele zu erkennen und den Weg zu einer erfüllenden beruflichen Laufbahn zu ebnen.

Sylvia Meran

Coaching & Supervision 
für Lehrkräfte, Schulleitungen und päd. Fachkräfte

Ich schreibe hier in meinem Blog über die Themen Lehrergesundheit, Burnout, Supervision und Coaching. Ich teile mit Ihnen meine Tipps und Erfahrungen als Lehrerin und Coach und zeige Ihnen wie Sie langfristig in diesem Beruf gesund bleiben können.

Ich freue mich von Ihnen zu hören:

Herzlich, Ihre

Sylvia Meran

Coaching, Beratung und Supervision für Lehrkräfte und Schulleitungen

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